Ein Verzeihungsgebet der 10 Busstagen im Licht des 9. Aw

DeutschGestern erschien in Basel die neuste Ausgabe der Selichót (Verzeihungsgebete) zu den Hohen Feiertagen, nach dem Brauch der elsässischen Gemeinden. Das Buch heisst “Kol Jehudá”, und obwohl dessen hebräischer Text der bisher gangbare Ausgabe gleicht, ist diese die erste Ausgabe der elsässischen Selichót mit deutscher Übersetzung. 20-30% der im Elsass üblichen Selichót werden nirgens anderswo gesprochen, so dass viele der Gebete nun zum ersten Mal in Übersetzung erscheinen.

Den Verfassern, der Familie Dr. Ronnie Fried und dem Geoldschmidt Verlag, wünsche ich hier ein herzliches Maseltów. Möge diese erfolgreiche Vollendung ein Zeichen sein, dass das neue Jahr voller Erfolgsgeschichten sein wird. Ins Hebräische passt hier der Satz תחלה שנה וברכותיה.

Eine Selichá, die während des 5. der 10 Busstagen gesprochen wird, die nur im elsässischen Brauch bekannt ist, ist #87, איל אחר נאחז בסבך – “Ein Widder war gefangen im Dickicht bei seinen Hörnern.” Ich habe das gute Glück gehabt, diese eher schwierige Selichá für das Kol Jehudá kommentieren und übersetzen zu dürfen. Leider ist über den Autor, Kalonymus beRabbi Jehudá, sehr wenig bekannt. Er ist kaum im Encyclopedia Judaica zu finden, als mitglied der Kalonymus-Familie, aber es gibt keine persönliche Angaben. Im Internet fand ich auch nichts.

Immerhin habe ich ihn genau am Fastentag des 9. Aw gefunden, weil er ein Klagelied zur Zerstörung der Gemeinden von Speyer, Worms und Mainz durch die Kreuzfahrer, im Jahr 1096, schrieb. Das Klagelied, #40 im Rödelheim Kinót, ist als Bericht eines Augenzeugen geschrieben, was vermuten lässt, dass R’ Kalonymus ben Jehudá in einer diesen drei Gemeinden lebte und ein Überlebender jener Massenmord war. Gerne lerne ich mehr über diesen Autor. Schaná towá umtuká!

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3 Responses to Ein Verzeihungsgebet der 10 Busstagen im Licht des 9. Aw

  1. Peter Eulau says:

    “Kalonymus” is – in my opinion – a Greek word which became – like many other expressions or words, too (e.g. “automobile”) – “latinized”. “Automobile” should be named “autokinet” [“selfmobile”], and “Kalonymus” should be turned into “Kalonymos”. The Greek word “kalos” means “beautiful” or “graceful”, and “nomos” often stands for “statute”, “law”, or “the Old Testament”. It is probably of second importance only what “Kalonymos” really means. It might be more interesting for you that you find under this word more names in the internet – and possibly in other sources – than under “Kalonymus”.

    • Arie Folger says:

      You are correct. It is an Israeli name of Hellenist origins, as Italian Jews (the Kalonymus/os family originally came from Lucca, Italy, in the 9th century or so) came there from Israel and brought with them the Eretz-Israeli tradition, which became the basis for the Ashkenazi tradition. Greek was a very important language and cultural
      influence in Israel and Italy, so that even very pious Jews, who were generally unfavorably disposed to Hellenism, could still have names of Hellenist origins and be otherwise influenced, just like today’s Orthodox Jews criticize some aspects of Western culture while being
      very much Westerners, too.

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