Tatte, bluhs noch a mul

September 18, 2018

shofar
DeutschIm letzten Jahr seines Lebens, also 1937 nahm der Munkaczer Rebbe, Raw Chaim Eluser Shapira (1868-1937), auch bekannt nach seinem Buch als Minchas Eluser, wie immer am ersten Tag des Monats Elul seinen Schofar heraus, um seinen Zustand zu überprüfen. Sein Enkel Herschele, der damals im selben Raum war, war aufgeregt, den Schofar zu sehen und das Geräusch zu hören. Er fragte seinen Großvater: „Sajde, noch a bluhs!“ [Opa, noch ein Klingelton, bitte!], den der Großvater akzeptierte, um seinem Enkel zu gefallen. Während des ganzen Monats Elul wurde die Szene zu einem kleinen Familienritual zwischen dem Großvater und seinem Enkel: Der alte Raw blies dem kleinen Herschele einen extra langen Schofarton. Read the rest of this entry »


Die Hohen Feiertage – eine Öffnung in der Zeit

September 18, 2018

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DeutschDie Sehnsucht nach G“tt und nach unserer jüdischen Seele ist ein Teil des Prozesses der Teschuwa. Obwohl mit diesem Begriff die Reue über Verfehlungen und Umkehr von der Sünde verstanden wird, heißt Teschuwa wörtlich Rückkehr oder Heimkehr. G“tt sagt zu uns – das ist in der Haftara des Schabbat, der auf Rosch haSchana folgt – Schuwa Jissraël ‚ad haSchem E-lohekha, „kehre zurück, Israel, zum Ewigen dein allmächtiger G“tt.

Rückkehr muss nicht außergewöhnlich sein, Read the rest of this entry »


Was ist Heimat?

September 14, 2018

Zeitschrift

Austrian-German_Swiss_flags-tinyAls Jude kann man sich tief mit Israel verbunden fühlen und zugleich ein guter Europäer, ja sogar beim Fußball ein Lokalpatriot sein. Es ist auch moralisch wichtig, darüber nachzudenken, wie Staaten mit den Fragen der Zugehörigkeit ‒ zu einem Land, zu einer Religion ‒ umgehen. Mancherorts sind vor langer Zeit mühsam errungene Freiheiten in Gefahr.

[Erschien im jüdischen Echo Band LXVII, hier erhältlich]

Während ich diese Zeilen schreibe, empfinde ich eine merkwürdige Euphorie. Obwohl ich in meinem Leben kaum Fußball gespielt habe und noch wesentlich weniger Fußballspielen zugeschaut habe, freute ich mich über den Sieg der Roten Teufel – der belgischen Nationalmannschaft – gegen Japan im Achtelfinale der Weltmeisterschaft. Trotz eines katastrophalen Spielverlaufs, der die Japaner zu Beginn der zweiten Hälfte mit zwei Toren in Führung sah, gelang es den Roten Teufeln in der Folge auszugleichen und in der allerletzten Spielminute noch ein drittes Tor zu schießen und so das Spiel zu gewinnen.

Dass ich mich darüber freue, ist allerdings merkwürdig. Read the rest of this entry »


Halacha: Fasten, Essen und Trinken zu Jom Kippur

September 14, 2018
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Jakub Weinles (1870-1935) – Żydzi modlący sie w Jom Kippur

Austrian-German_Swiss_flags-tinyFasten zu Jom Kippur gehört zu den wichtigsten und strengsten Mizwot des Jahres und wird von Juden weltweit auch so wahrgenommen. Wiederholt zeigten israelische Meinungsumfragen, wie weit verbreitet die Mizwa eingehalten wird. Egal ob jemand unter dem Jahr orthodox, traditionell oder säkular lebt, zu Jom Kippur fasten die allermeisten Juden; weder essen, noch trinken sie.

Dennoch gibt es Situationen, in denen die Tora dieses Verbot nicht nur aufhebt, sondern einen Menschen verpflichtet, zu essen und zu trinken: Wer sonst in Lebensgefahr geraten könnte. Dann ist es nicht nur keine Mizwa, zu fasten, sondern eine Mizwa zu essen. Read the rest of this entry »


To Be or Not To Be

May 24, 2018
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Ist das das Bild eines Möchtegern-Nasirs?

Austrian-German_Swiss_flags-tiny[Ein Einsiedler] sein oder nicht sein, das ist die Frage

Die ausführlichere Fassung meines Aufsatzes im PUNKT N°097

Welcher ist der ideell-religiöse Zustand des Menschen? Soll er sich von dem Materiellen trennen, sich in Einsamkeit den religiösen Werten widmen, soll er von den üblichen Zeitvertrieben der Menschen absehen, oder darf und soll er sein religiöses Leben als ein in der Menschenwelt verwurzelter Mensch entfalten lassen? Es ist fast ein Cliché, dass das Judentum die religiöse Praxis im Diesseits wünscht, dass es im Judentum um die Heiligung des täglichen, normalen Leben geht. Aber eine besondere Mizwá erschwert uns, dieses Cliché in Stand zu halten: die des Nasiräertums. Read the rest of this entry »


Halacha-Ecke – Warum richten wir einen Eruw Tawschilin her?

April 3, 2018

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Fällt ein Jomtow an einem Freitag (und beginnt also der Jomtow-Tag am Donnerstagabend), dann werden wir Juden gemahnt, einen Eruw Tawschilin vor Jomtow herzurichten. Meistens besteht dieser aus einem Brot (diesmal eine Mazza!) und einem Ei, den wir vor Jomtow vorbereiten und aufbewahren. Dazu wird ein Segenspruch und ein unverständliche Text gesprochen. Wieso?

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Unfortunately No End to Antisemitism in Sight

February 25, 2018

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English
Opening remarks to the conference An End to Antisemitism!,
University of Vienna, 19th of February 2018
By Arie Folger

Teaser:

Hatred of Jews has been justified because they are poor and because they are rich, because they are powerful and because they are weak, because the are healthy and because they are ill, because they are geniuses and because they are devoid of wisdom, because they are pious and because they are godless, because they hew to high morals and because they are degenerate. In short, Jews have been hated simply because the are.

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