Fremdlinge und Ansässige seid Ihr bei Mir – Zum Sinne des Buchs Wajikra

May 18, 2017

Anfang des Buchs Wajikra im Codex Aleppo

Austrian-German_Swiss_flags-tinyKönnen wir nun Speck essen? – fragte zuletzt ein Artikel in der israelischen Zeitung Haaretz, der behauptete, dass die Gesetze des Buches Wajikra vielleicht nur für die Kohanim (Priester) gemeint waren.1

Dass die Haaretz sich irrt, ist leicht zu beweisen. Viele Ge- und Verbote werden ausdrücklich an das gesamte Volk gerichtet („Spreche zu den Kindern Israels“), und ausgerechnet in diesem Buch begegnen wir vielen Ge- und Verboten zur Ehrlichkeit (Wajikra 19:11-13: „Ihr sollt einander nicht bestehlen, nicht belügen noch betrügen … nicht falsch schwören … deinen Nächsten weder bedrücken noch berauben…“) und den Wohltätigkeitsgesetzen, die selbstverständlich nicht nur für die Kohanim gelten.

Dennoch beweist der Artikel, was Rabbiner Joseph Ber Soloveitchik vor einigen Jahrzehnten auf Jiddisch sagte Read the rest of this entry »


Die trockene Gebeine, die zum Leben erwachten (Gastbeitrag zur Haftara von Schabbat Chol haMo’ed)

April 13, 2017

Detail der Knesset Menora von Benno Elkan, der die Wiederbelebung der trockenen Gebeinen abbildet

Austrian-German_Swiss_flags-tinyVon Frau Dr. Chani HinkerDie Haftara am Schabbat Chol HaMo’ed Pessach beschreibt die Vision des im babylo­nischen Exil wirkenden Propheten Jecheskel (Ezekiel), die berühmt ist für ihr Versprechen der Auferstehung der „verdorrten Gebeine“ (Jecheskel 37:1-14).

Jecheskel befindet sich in einem Tal voll ver­dorrter Gebeine. Der Prophet spricht die Gebeine im Namen des Ewigen an: „Siehe, ich will einen Odem in euch bringen, dass ihr sollt lebendig werden … Ich will euch Adern geben und Fleisch lassen über euch wachsen und euch mit Haut überziehen … und ihr sollt erfahren, dass ich der Ewige bin“ (37:5-6). Die Knochen verbinden sich zu ganzen Skeletten, „es wuchsen Adern und Fleisch darauf und sie wurden mit Haut überzogen“ (37:8). Aber das Tal liegt immer noch im Schatten des Todes. Read the rest of this entry »


Ist Heiligkeit ansteckend?

April 6, 2017

Austrian-German_Swiss_flags-tinySind die Gesetze der Tieropfer in der Tora nur arkane und in der heutigen Zeit nicht relevanten Regel und intellektuelen Merkwürdigkeiten? Oder können wir vielleicht sogar moralische Lehren für den Alltag aus den Einzelheiten dieser Gesetze ziehen?

Read the rest of this entry »


Welche Bedeutung haben Feueropfer heutzutage noch?

March 30, 2017

Austrian-German_Swiss_flags-tinyDas Thema der zwei ersten Wochenabschnitte des Buches Wajikra, fällt uns Kindern der Moderne schwer zu begreifen. Der Abschnitt Wajikra listet die unterschiedlichen Tieropfer, die ein Jude bringen konnte, und der Abschnitt Zaw erläutert, was die Kohanim (dynastische Priester) damit im Stiftzelt und später im Tempel in Jerusalem zu tun hatten. Dass wir uns schwer tun, es zu verstehen, überrascht nicht, schließlich liegt der Bejt haMikdasch, unser Heiligtum in Jerusalem und der heiligste jüdische Ort auf Erden, seit seiner Zerstörung durch die barbarischen Römer vor über 1900 Jahren, in Trümmern.
Read the rest of this entry »


Ner Tamid – Das ewige Licht

March 8, 2017

Austrian-German_Swiss_flags-tinyIn der Synagoge brennt ein Licht, dass nie ausgelöscht wird. Es brennt Tag und Nacht. Kommt man nachts oder frühmorgens in die Synagoge, bevor das Licht eingeschaltet wird, richtet sich unser Blick unmittelbar auf das kleine winzige Licht einer Glühbirne oder einer Öllampe, das einen großen Schatten an die Wände wirft.

Wer leider einen nahen Verwandten verloren hat, weiß, dass getrauert, Kaddisch gesprochen und ein Licht angezündet wird. Zahlreiche Leute zünden am Anfang der Schiwe-Trauerwoche eine Kerze an, die eine ganze Woche brennt, und andere Leute sorgen sogar dafür, dass diese Kerze wiederholt abgelöst wird, damit ein ganzes Jahr lang, bis zur ersten Jahrzeit, im Trauerhaus eine Kerze brennt.

Woher kommt der Gedanke des ewigen Lichtes und was symbolisiert es? Read the rest of this entry »


Wo wohnt G”tt?

March 1, 2017
Der Tempelberg - die heiligste Stätte auf Erden für das Judentum

Der Tempelberg – die heiligste Stätte auf Erden für das Judentum

Austrian-German_Swiss_flags-tinyIm Abschnitt dieser Woche, Teuma, befiehlt G”tt dem Mosche (Schemot 25:8): וְעָ֥שׂוּ לִ֖י מִקְדָּ֑שׁ וְשָׁכַנְתִּ֖י בְּתֹוכָֽם — Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, daß ich mitten unter ihnen wohne!

Dazu passt hervorragend ein Artikel meiner Wenigkeit, der im Dezember 2016 im Pfarrblatt St. Stephan veröffentlicht wurde. In den Worten des Verlegers: Der Tempelberg in Jerusalem, wo einst der Tempel Salomos gestanden hat, gilt bis heute als heiliger Ort der Begegnung zwischen Gott und den Menschen. Oberrabbiner Arie FOLGER über die Spannung von Transzendenz und Immanenz, das Goldene Kalb und das Bedürfnis nach einem Haus Gottes. Read the rest of this entry »


Hozaa weHachnassa — Bedeutungen und Bräuche des Aus- und Einheben der Tora

February 14, 2017

Torah - חגיגת_החומש

Austrian-German_Swiss_flags-tinyAls wir nach einem einjährigen Aufenthalt am Fuß des Berges Sinai zum Heiligen Land auf­brachen, ertönte ein Schofarschall, der verkündete, dass es nicht mehr verboten war, den Berg zu betreten (cf. Schemot 19:13); der Ort war nicht mehr heilig. Wohin ging die Heiligkeit jenes Ortes, an dem G”tt sich vor hunderttausenden und millionen Menschen mit Donner, Blitz, dichtem Nebel, Feuer und einer nicht aufhörenden Stimme offenbart hatte? Verschwand jene Heiligkeit? Einfach so? Read the rest of this entry »