Die konföderierte Selichot

September 23, 2016

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Austrian-German_Swiss_flags-tinyNach dem amerikanischen Bürgerkrieg besuchte der einst erfolgreiche General Lee des konföderierten Heeres den Bundesstaat Kentucky. Dort traf er eine Frau, die ihm die Überbleibsel eines früher wunderschönen, mächtigen Baumes zeigte. Die Frau erklärte unter bitteren Tränen, wie die Äste und sogar der Stamm des Baumes durch Artilleriefeuer der Unions-Truppen völlig zerstört wurden. Sie schaute Lee an, in der Hoffnung eine Verurteilung des Nordens zu hören, oder wenigstens Anteilnahme für ihren Verlust zu erfahren. Nach kurzem Schweigen aber antwortete Lee: „Fällen Sie ihn, meine liebe Frau, und vergessen Sie ihn. Es ist besser, die Ungerechtigkeit der Vergangenheit zu vergessen und vergeben, als ihr zu erlauben, sich tiefer einzuwurzeln und das ganze weitere Leben zu vergiften.“ (aus: Lee – The Last Years von Charles Bracelen Flood)

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Theologie: Wie belohnt G”tt uns für die Einhaltung der Mizwot? – Gastbeitrag

September 23, 2016
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Weizenacker nach dem Regen (1890), Vincent van Gogh

Austrian-German_Swiss_flags-tinyVon Rabbiner Schlomo Hofmeister

Wann immer die Tora von Belohnung und Bestrafung spricht, werden diese beiden Konzepte in physischen Masstäben beschrieben; so beispielsweise die Zusage, dass es – als Belohnung der Befolgung der Mizwot – zur richtigen Zeit regnen und eine gute Ernte geben wird. Warum spricht die Tora nicht von der weitaus bedeutsameren, der spirituellen Belohnung in der zukünftigen Welt? Read the rest of this entry »


Parascha und Politik – Jefat Toar

September 16, 2016

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Wie eine Mizwa, die seit Jahrtausenden nicht umgesetzt wird, zum brennenden Thema der israelischen Politik wurde

Unter den Themen unserer Parascha finden wir eines, das vor einigen Wochen für Aufsehen und heftige Diskussionen in der israelischen Politik sorgte: Das Gesetz der „schönen Kriegsgefangenen“ ­–­ die Jefat Toar.

Als Mitte Juli Oberst Eyal Karim zum Oberrabbiner der israelischen Verteidigungskräfte designiert wurde, veröffentlichte die Tageszeitung Yediot Acharonot einen Artikel, in dem behauptet wurde, dass der werdende Oberrabbiner Read the rest of this entry »


Blasen wir bereits Schofar? – Gastbeitrag

September 16, 2016

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Austrian-German_Swiss_flags-tinyVon Rabbiner Schlomo Hofmeister

[Wer derzeit die Synagoge besucht, hört am Ende des Morgengebetes, und in manchen Synagogen auch am Ende des Abendgebetes den Schofarschall, obwohl es noch längst nicht Rosch ha-Schana ist (na ja, “längst” ist relativ). Wieso? Übt man etwas vor dem großen Auftritt? Rabbiner Hofmeister erkundigt Bräuche des Monats Elul und klärt für uns diese zwei Erscheinungen auf. ─AF] Read the rest of this entry »


Soll die Reue auf Jom Kippur warten? – Gastkommentar

September 9, 2016
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Eine Synagoge, die für die Hohe Feiertage in Weiß geschmuckt ist.

Austrian-German_Swiss_flags-tinyVon Rabbiner Schlomo Hofmeister

Klar, Teschuwa (Umkehr und Reue) ist wichtig. Deshalb sprechen wir an Jom Kippur acht mal das lange Sünden­bekenntnis ‘Al Chet (neun, wenn wir die Nachmittag vor Jom Kippur dazu zähl­en): eine ellen­lange Liste von Sün­den, einschließ­lich solche, die man be­ging, solche, die man nicht beging, und solche, die man leider ge­neigt sein könnte, sie begehen zu wollen. Aber sicher reicht ein Tag dafür, wozu sollen wir 10 Bußtage von Rosch ha-Schana bis Jom Kippur haben. Und über­haupt, wozu braucht man noch vor Rosch ha-Schana einen ge­samten Monat Elul als Teschuwa-Monat? Read the rest of this entry »


Das Ziel heiligt die Mittel … eben nicht

September 9, 2016

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Austrian-German_Swiss_flags-tinyAls im Jahr 1929 die „Gang“ vom bis dahin berühmten, seither berüchtig­tem Gangster Al Capone sieben Mit­glied­er der irischen „North Side Gang“ um­brachten, wurde der Wunsch nach einer Verhaftung von Al Capone selbst immer lauter. Es fehlte der FBI aber an Beweisen um Al Capone für diese Morde und anderen Verbrechen zu belangen. Schließlich wurde er unter dem Vorwurf der Steuerhinterziehung verhaftet. Damit wurde zwar ein gefährlicher Verbrecher ausgeschal­tet, aber die eigentlichen Verbrechen (unter anderem 33 Morde) wurden nie aufgeklärt. War diese Vor­gang­weise gerecht? Read the rest of this entry »


Der lange Weg des Trostes – Gastbeitrag

September 2, 2016

Austrian-German_Swiss_flags-tinyVon Dr. Ruth Winkler

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“Consolation” – © Ornorm, @DeviantArt

Nach der Toralesung am Schab­bat lesen wir die Haftara, einen Ausschnitt aus den Prophetenbüchern. Während meistens die Haftara einen thematischen Zusammenhang mit dem Wochenabschnitt der Tora hat, gilt um diese Jahreszeit ein anderes Prinzip: An den drei Schabbatot vor dem 9. Av (dem Fasttag, an dem wir der Zerstör­ung des Tempels gedachten), lasen wir die „drei Haftarot der Vergeltung“ – mahnende Texte, die das jüdische Volk für seine Fehler tadelten und  böse Konsequenzen in Aussicht stellten. Nach dem 9. Av, also nachdem die Zerstörung Jerusalems und des Tempels das Thema war, lesen wir die „sieben Haftarot des Trostes“ – Ausschnitte aus dem Buch Jesaja, die davon sprechen, dass Jerusalem nach all dem Schlimmen, das war, getröstet sein soll. Am Ende mündet diese Kette von Texten des Trostes in das Thema der Tschuva, der Umkehr, das zu Rosch haSchana / Jom Kippur im Mittelpunkt stehen wird. Read the rest of this entry »