Frag den Rabbi: Was tut G”tt seit der Schöpfung

October 28, 2016

Rabbi-CoolClips_vc074807DeutschG-tt hat die Erde in 6 Tagen erschaffen. Danach war Schabbat, an dem Er sich erholt hat. Was hat Er am achten Tag und seitdem gemacht?

Sie sind nicht der Erster, der diese Frage stellt. Der Midrasch Rabba (Berejschit 68:4 – hier) erzählt, dass eine (römische) Matrone den Rabbi Jossi Ben (Sohn des) Chalafta fragte, was der liebe G”tt seit der Schöpfung tut. Rabbi Jossi Sohnes Chalafta erwiderte: Heiratsvermittlung. Die Matrone fand das zu unbedeutend und behauptete, so was könne sie auch selber tun. Sie hatte viele Diener und Dienerinnen, und beschloss, zu vermittlen, damit die alle Paare bilden. Am nächsten Morgen wurde sie von einer Menge an Knechten und Mägden, die fast wie Krüppel aussahen. Der eine hatte ein blaues Auge, die andere hatte eine blaue Fleck, hier hatte sich jemand ein Bein gebrochen, dort einen Zahn oder zwei verloren. Also verstand sie, dass man nicht einfach zwei Menschen zusammentun kann.

Wollen wir diesen Midrasch tiefer interpretieren, Read the rest of this entry »

Advertisements

Schnellkurs im jüdischen Grundwissen: I. Der Schabbat (Audio)

October 18, 2012

man_on_unicycleDeutschaudio-input-microphone“Mehr als die Juden den Schabbat eingehalten haben, hat der Schabbat die Juden erhalten” – Ahad Haam (Asher Zvi Hirsch Ginsberg 18 August 1856 – 2 January 1927, hebräischer Schriftsteller). Wie bedeutend ist der Schabbat im Judentum und warum? Read the rest of this entry »


Alle sind gleich vor dem Schabbat, dem hochmodernen Ruhetag

March 4, 2012

DeutschBossard,_Jenny_-_Familie_am_KaffeetischWir haben uns so daran gewöhnt, jede Woche einen freien Tag zu haben, dass wir uns kaum bewusst machen, wie fremd der Gedanke eines Ruhetags in vergangenen Zeiten war. In unserer Gesellschaft schätzen wir Ruhetage sehr: Wir haben eingeführt, dass es pro Woche nicht nur einen, sondern zwei gibt, und haben so das Wochenende geschaffen. Wir haben völlig vergessen, wie außergewöhnlich die Idee einer regelmäßigen Ruhe ist. Wir spüren kaum noch, wie jung das arbeitsfreie Wochenende ist.

Vor nicht so langer Zeit war schon ein Ruhetag pro Woche ein Luxus; an ein zweitägiges Wochenende war schon gar nicht zu denken. Bevor bezahlte Ferientage üblich wurden, konnten sich nur Reiche Ruhe und Freizeit leisten. Und bevor das Christentum die jüdische Idee des Schabbats1 verbreitete, war selbst ein wöchentlicher Ruhetag unvorstellbar … ausser bei einem kleinen, eigenartigen Volk … dem Volk Israel. Kurz nachdem sie das Land ihrer Knechtschaft verlassen hatte, stand ein Haufen befreiter Sklaven, die die Niederlage ihrer Herren miterlebt hatten, am Fusse des Berges Sinai und hörte:

Gedenke des Schabbat-Tages, ihn zu heiligen … Denn in sechs Tagen hat der Ewige den Himmel und die Erde, das Meer und alles, was darin ist, gemacht, und am siebten Tag hat Er geruht; darum hat der Ewige den Schabbat-Tag gesegnet und ihn geheiligt. (Das Buch Schemot, Kap. 20, Vers 8 und 11)

Ja, diese Leute waren unsere Vorfahren, das Volk Israel, das nur kurz zuvor aus Ägypten – dem Land seiner Leiden – ausgezogen war und nun die Offenbarung G”ttes am Berg Sinai miterlebte. Read the rest of this entry »


Wieso “ruhte” G”tt?

October 14, 2009

DeutschKi miBasel tezé Torá — aus Basel wird, gleich ehrwürdigen jüdischen Gemeinden der ganzen Welt, Torá veroffentlicht und gelehrt. Der basler Verlag Morascha veröffentlich nun die Neuausgabe des 2. Band des Hirsch-Chumasch, mit der Übersetzung und dem Kommentar des Rabbiner Samson Raphael Hirsch, ein klassiker der deutsch-jüdischen Torá-Literatur. Hirsch_Chumasch-MoraschaRabbiner S.R. Hirsch ist wohl bekannt und braucht kaum vorgestellt zu werden; über ihn wurden im Web sogar dützende biografische Seiten geschrieben. Doch ist die Neugestaltung seines Chumasch, das bisher nur als Offset-Druck der originalen Ausgabe — in gothischen Schrift — vorhanden war, zu feiern. Der Text ist schön und deutlich gedruckt, Druckfehler wurden korrigiert und das ganze in einem attraktiven Ensemble gebunden. Die Lehre von Rabbiner Hirsch ist wieder in der Originalsprache breit zugänglich.

Als Illustration seiner tiefen Verständnis des Torá-Textes und der Gebote, bringe ich hier eine Erklärung aus dem Buch Schemót, also aus dem neu erschienenen Band, die eine Stelle in dem Wochenabschnitt der kommenden Woche – Berejschít – erläutert.

Eine immer wiederkehrende Frage im Bezug auf der Schöpfungsgeschichte ist, wieso man an dem Schabbat, der nach Schemót 20:11 Andenken an dieser Schöpfungsgeschichte ist, ruhen muss? Wieso ruhte G”tt, der ja kein Körper hat und dem entsprechend nicht müde wird? Read the rest of this entry »


Die wahre Schabbatruhe

August 1, 2008

DeutschDer Schabbat ist unser von Gott geschenkter Ruhetag. Genau wie unsere Vorfahren, die kaum einen Monat nach ihrem Auszug aus Ägypten den Schabbat als eine ihrer ersten Mizwót bekamen (s. Schemót 16:1, 16:4-30), erholen auch wir uns an dem Tag, der zugleich זִכָּרוֹן לְמַעֲשֵׂה בְרֵאשִׁית, ein Andenken an das Schöpfungswerk, und זֵכֶר לִיצִיאַת מִצְרָיִם, ein Andenken an den Auszug aus Ägypten, ist.

Nur erholen sich Sklaven und Landwirte anders als Stadtmenschen, die bereits vor Jahrtausenden befreit wurden. Unsere Paraschá lehrt לֹא־תְבַעֲרוּ אֵשׁ בְּכֹל מֹשְׁבֹתֵיכֶם בְּיוֹם הַשַּבָּת ’ihr sollt am Schabbat-Tag in allen euren Siedlungen kein Feuer anzünden’ (Schemót 35:3). Aber das Erzeugen von Feuer war in der Vergangenheit viel aufwendiger als heute; so wie wir es machen, ist hingegen das Anschalten eines Lichtes oder eines Ofens kinderleicht. Ist die genaue Einhaltung des Schabbats unter diesen Umständen noch sinnvoll? Read the rest of this entry »