Meine besondere andere Liebe (Ansprache zu Kol Nidrej 5778 im Wiener Stadttempel)

September 30, 2017
20161102_212637

Der Stadttempel während des Kantorenkonzertes im Herbst 2016. Von Jom Kippur kann ich ja selbstverständlich (und hoffentlich) keine Bilder zeigen.

Austrian-German_Swiss_flags-tinyLiebe Freunde,

Toll, dass Ihr da seid, dass wir zahlreich zu Kol Nidrej und Ma‘ariw erscheinen. Ich betrachte es als einen der Höhepunkte des Jahres, dass wir in wenigen Minuten alle zusammen das Schema Jissraël sprechen werden. Jascher Koach!

Heute Abend möchte ich über eine große Liebe von mir sprechen. Nein, ich meine nicht von meiner Frau, die ich sehr tief liebe und der ich dauerhaft Dankbarkeit schulde, nein, ich möchte von einer anderen großen Liebe sprechen, und ich verspreche, dass meine Frau mir das verzeihen wird.

Read the rest of this entry »

Advertisements

Liegt die Bedeutung des Kol Nidrej auch in seiner Melodie? – Gastbeitrag

October 7, 2016
gottlieb-jews_praying_in_the_synagogue_on_yom_kippur-cropped

Ausschnitt aus “Juden beten in der Synagoge an Jom Kippur” ─ Maurycy Gottlieb (1856-1879)

Austrian-German_Swiss_flags-tinyGastbeitrag von Shmuel Barzilai, Oberkantor der IKG Wien.

Jom Kippur, der wichtigste und heiligste Feiertag der Juden, wird am Vorabend mit dem Kol Nidrej eröffnet.

Die Melodie von Kol Nidre ist die be­liebteste und bekannteste aller jüdi­scher Melodien weltweit, und sie lässt keinen Zweifel daran, dass sie von einem Komponisten mit besonderen Talenten geschaffen wurde. Diese Melodie hat sicher nicht wenig zum Ausmaß der Bekanntheit des Kol Nidrej beigetragen.

Was bewegt die Menschen beim Sprechen dieses Textes, wo es doch am Jom Kippur viele an­dere gleich­wer­tige und sogar vom Inhalt bedeu­tungs­vollere Ge­bete gibt? Was ist das Geheimnis dieses Gebetes, wann be­gann man es zu sagen, wo­her stammt es und wer schrieb wann die Musik dazu? Read the rest of this entry »


Was sucht eine persönliche Bitte in der öffentlichen Vortragung des Mussafgebetes? – Gastbeitrag

September 30, 2016
800px-picart_sjofarblaasing_paa_rosj_hasjana_i_amsterdam-esnogaen

Das Rosch ha-Schana-Gebet ─ Bernard Picard (1673-1733)

Austrian-German_Swiss_flags-tinyGastbeitrag von Shmuel Barzilai, Oberkantor der IKG Wien.

Jeder, der sich ein bisschen in der Welt der jüdischen Melodien auskennt, weiß, dass es keine schöneren Melodien als die für die Rosch Ha-Schana- und Jom Kippur-Ge­bete gibt. Nicht nur die Worte der Gebete, sondern auch die musikalische Umrahmung und die mys­tischen Klänge führen dazu, dass diese Gebete einer höheren, g’ttlichen Macht entsprungen zu sein scheinen.

Aus den Melodien der Hohen Feiertage klingen die Stimmen von früheren Generationen heraus, die in Herz und Seele dringen und das Antike an den Melodien bezeugen. Read the rest of this entry »


Jom Kippur -> Etrog -> Berejshit

September 18, 2015

DeutschDie vier landwirtschaftliche Arten, die wir an Sukkót in die Hände nehmen und zum Lob G”ttes während des Hallél-Lobgebets schwingen, sind mysteriös und mit Symbolik gefüllt. In die folgenden Predigten werden erforscht: die Verbindung zwischen Jom Kippur und Etrog, die Verbindung zwischen dem Etrog und der Schöpfungsgeschichte, die zum ersten Schabbat nach Sukkót gelesen wird, sowie die allgemeine Haltung bei der Einhaltung der Mizwót, die zu die persönliche Erfüllung führt, oder eben nicht.


Jom Kippur, eine Begegnung mit G“tt

September 22, 2014

DeutschIMG_2955Bekanntlich wird Jom Kippur als der heiligste Tag des jüdischen Kalenders betrachtet. Ein Grund dafür, ist, weil er eine Begegnung mit G”tt bildet.

Anbei eine längere Faßung meines letzten Artikels in der Jüdischen Allgemeine. Nur eine Bemerkung. Rabbiner Joseph Ber Soloveitchik war gebürtiger “Litwak”, bekennte sich also der besonders stark vom Tora-Lernen und Analytik geprägten lithauisch-jüdischen Kultur. Diese heilige Kultur zeichnete sich durch ihre sehr hohe aber gleichtzeitig in der Bevölkerung sehr verbreitete intellektuelle Ausrichtung. Von solchen Leuten erwarten wir eine kompromislose, wissenschaftliche Präzise Talmud-Analytik. Wer hätte erwartet, in einem Litwak solche Dichterkunst und reiche Gefühle, zu entdecken … Read the rest of this entry »


Die Herausforderung, G“tt als König und Richter wahrnehmen zu lernen

September 13, 2013

Auch in der Gegenwart gilt G”tt weiterhin als oberste Richter und König*

DeutschIMG_2955Einer der Höhepunkte des Gebets an Rosch ha-Schana (und in vielen Gemeinden auch an Jom Kippur) ist die Vorbereitung für die Keduschá von Mussáf. Mit der Keduschá verkünden wir die Heiligkeit G“ttes mit den gleichen Worten, die die Engel im himmlischen Reich sprechen, wenn sie G“tt lobpreisen. An Rosch ha-Schana (und in vielen Gemeinden auch an Jom Kippur) geht eine dichterische Einführung der Keduschá von Mussáf voran: das Untaneh Tókef.

In jenem Gebet betonen wir, dass an dem heutigen Tag alle Geschöpfe gerichtet werden, ja sogar die Engel, dessen Worte wir für die Keduscha anschließend verwenden. Vor dem g“ttlichen Gericht kann keiner siegreich sein, denn nur G“tt ist vollkommen, und wir begehen alle Fehler; sogar die Engel beben vor Ihm und fürchten den Rechtsspruch. Weiter heißt es:

Wie der Hirte seine Herde prüft, seine Schafe unter seinem Stab hindurchgehen lässt, so lässt Du vorbeiziehen, zählst, berechnest und prüfst Du die Seele jedes Lebewesens und bestimmst die Grenze jedes Geschöpfes und schreibst ihr Urteil. Am Rosch ha-Schana wird eingeschrieben und an Jom Kippur besiegelt wie viele hinübergehen und wie viele geboren werden, wer wird leben und wer wird sterben.

Das hört sich hart an. Read the rest of this entry »


Ist Rosch haSchaná hart?

October 30, 2011

Deutsch64px-John_E_Fry_Steadicam_Operator_UKUntanè Tókef ist ein liturgisches Gedicht, der im askenasischen Brauch an Rosch haSchaná — und in vielen Gemeinden auch an Jom Kippúr — die Verkündung der Heiligkeit G”ttes, die Keduschá, einführt. Dort heißt es “… Engel erzittern, Angst und Beben fasset sie, und sie sprechen: Siehe, es ist der Tag des Gerichts … wer leben soll und wer sterben, wer das Lebensziel erreiche und wer vor seiner Zeit hingehe, … wer in Ruhe leben, wer in unstät irre, wer in friedlicher Stille, wer mit verwirrtem Sinne, … wer sinken soll und wer emporkommen.”

Herr Marian Offmann, Vize-Präsident der IKG München und Moderator der Sat1-Sendung jüdisches Leben in Bayern, findet das hart. Klicken Sie hier für meine Antwort zu diese und einige andere Fragen zu Rosch haSchaná (Jüdisches Leben in Bayern #5).