Halacha: Fasten, Essen und Trinken zu Jom Kippur

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Jakub Weinles (1870-1935) – Żydzi modlący sie w Jom Kippur

Austrian-German_Swiss_flags-tinyFasten zu Jom Kippur gehört zu den wichtigsten und strengsten Mizwot des Jahres und wird von Juden weltweit auch so wahrgenommen. Wiederholt zeigten israelische Meinungsumfragen, wie weit verbreitet die Mizwa eingehalten wird. Egal ob jemand unter dem Jahr orthodox, traditionell oder säkular lebt, zu Jom Kippur fasten die allermeisten Juden; weder essen, noch trinken sie.

Dennoch gibt es Situationen, in denen die Tora dieses Verbot nicht nur aufhebt, sondern einen Menschen verpflichtet, zu essen und zu trinken: Wer sonst in Lebensgefahr geraten könnte. Dann ist es nicht nur keine Mizwa, zu fasten, sondern eine Mizwa zu essen.

Nicht jeder Kranke darf essen. Wer sich einfach schlecht fühlt, darf dennoch nicht essen oder trinken. Wer dank dem Verzicht auf dem Synagogenbesuch fasten kann, bleibt lieber zu Hause und fastet. Auch wer Mühe hat, zu fasten, muss fasten. Aber gefährden darf man sich nicht! Dafür befiehlt die Tora Wechaj bahem ─ mit der Erfüllung der Mizwot der Tora sollen wir leben.

Es besteht eine graue Zone, in der man krank und möglicherweise gefährdet ist, spürt, dass man essen oder trinken muss, aber nicht zwingend gleich viel verzehren muss. Dann soll man sgn. “Schiurim”, also kleine Einheiten essen und trinken: einen großen Zuckerwürfel und einen Schnappsglass (5cc) Orangensaft jede 10 Minuten. Dadurch bekommt man das Maximum an möglichen Kalorien mit dem kleinsten möglichen Nahrungsvolumen, so dass man den Fasttag so wenig möglich verletzt.

Wer macht die Diagnose? Am Jom-Kippur-Tag darf ein Patient selber urteilen, ob er noch die Kraft hat, zu fasten, oder unbedingt essen muss (dennoch soll er oder sie versuchen, nur die oben erwähnten kleinen Einheiten zu verzehren). Selbstverständlich ist ein Arzt ermächtigt, eine Diagnose zu machen. Sind sich Patient und Arzt nicht einig, dann soll man essen und trinken (aber wiederum vorziehen, die oben erwähnten kleinen “Schiurim”-Einheiten zu verzehren).

Wer befürchtet, aus medizinischen Gründen nicht fasten zu können, soll einen Arzt und einen Rabbiner vorher fragen. Achtung, viele Ärzte kennen sich beim Fasten nicht aus, weil es im Westen von der Mehrheitgesellschaft nicht praktiziert wird. Deshalb sollen Sie lieber einen jüdischen Arzt fragen. Wir im Rabbinat genießen die Unterstützung einiger Ärzte, mit denen wir Sie in Verbindung stellen können.

Es ist auch hilfreich, den Hausarzt zu fragen, wieviel Kalorien man wenigstens unbedingt aufnehmen muss. Das ist insbesondere für Diabätiker wichtig zu klären, da Diabätiker meistens nicht normal fasten dürfen (aber “Schiurim”-Einheiten reichen meistens).

Schwangere und stillende Frauen sind nicht nur für ihre eigene Gesundheit verantwortlich, sondern auch für die ihres Fötus und Kindes. Dennoch besteht auch für sie keine automatische oder allgemeine Befreiung vom Fasten.

Wer regelmäßig Medikamente nimmt, muss mit seinem Arzt klären, ob es reicht, kurz vor Jom Kippur das Medikament zu nehmen, und sonst bis nach Fastenende zu warten, oder ob das Medikament unbedingt eingenommen werden muss. Das Rabbinat und die Ärzte, mit denen wir zusammenarbeiten stehen für Beratung zu Verfügung.

Ich wünsche allen ein gesundes Jom Kippur, leichtes fasten und ein gesundes Jahr. ─Arie Folger

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