Ist Rosch haSchaná hart?

October 30, 2011

Deutsch64px-John_E_Fry_Steadicam_Operator_UKUntanè Tókef ist ein liturgisches Gedicht, der im askenasischen Brauch an Rosch haSchaná — und in vielen Gemeinden auch an Jom Kippúr — die Verkündung der Heiligkeit G”ttes, die Keduschá, einführt. Dort heißt es “… Engel erzittern, Angst und Beben fasset sie, und sie sprechen: Siehe, es ist der Tag des Gerichts … wer leben soll und wer sterben, wer das Lebensziel erreiche und wer vor seiner Zeit hingehe, … wer in Ruhe leben, wer in unstät irre, wer in friedlicher Stille, wer mit verwirrtem Sinne, … wer sinken soll und wer emporkommen.”

Herr Marian Offmann, Vize-Präsident der IKG München und Moderator der Sat1-Sendung jüdisches Leben in Bayern, findet das hart. Klicken Sie hier für meine Antwort zu diese und einige andere Fragen zu Rosch haSchaná (Jüdisches Leben in Bayern #5).


Torá und Vergebung im Dienst der Einheit

August 1, 2008

Jom Kippúr ist der Höhepunkt eines vierzigtägigen Prozesses, der mit Rosch Chódesch Elúl begonnen hat. Diese Tage sind voller symbolischer Bedeutung.

Wie Sie wahrscheinlich wissen, kommt die Zahl vierzig in der schriftlichen und mündlichen Torá recht oft vor: Read the rest of this entry »


Von Kindern lernen

August 1, 2008

DeutschIch möchte Ihnen Daniel Cohen vorstellen, einen typischen Dreitagejuden. Er ist das jüdische Gegenstück von „Otto Normal­verbraucher“. Er ist ein gewöhnlicher, sympathischer Mensch, der das Gefühl hat, eine starke jüdische Identität zu besitzen, auch wenn er die meiste Zeit des Jahres der Synagoge fernbleibt und zu Hause auch nicht allzu viele jüdische Traditionen praktiziert. Kurzum, Daniel Cohen ist so wie die meisten von uns. Daniel Cohen passt genau hierher. Read the rest of this entry »


Die Halachá als Basis einer Gesellschaft der Liebe

August 1, 2008

flag-ch_de-tinyJom Kippúr, der „Versöhnungstag“, ist deutlich von Ritualen geprägt. Während dieses heiligen Tages verzichten wir für etwas mehr als fünfundzwanzig Stunden auf gewohnte körperliche Annehmlich­keiten wie Essen und Trinken, um den ganzen Tag lang unserem Schöpfer zu dienen. Wir beten, singen, lesen die Torá, hören vielleicht sogar einen Schi‘úr (religiösen Vortrag). Wir ziehen einen ganz weissen Kittel an, das Sargenes, umhüllen uns mit einem weissen Tallít und bedecken den Kopf mit einer weissen Kippá, und damit wenden wir uns wenigstens für diesen einen Tag von der auffallenderen Kleidung ab, die in Mode ist. Wir beschränken in dieser Zeit unseren Umgang mit anderen Menschen und vermeiden ganz allgemein Tätigkeiten, die uns zur Sünde bringen könnten. Man könnte sagen, dass wir einen ganzen Tag lang ein heiliges Leben führen, voller Spiritualität und ohne Materialismus.

Wenn wir bedenken, wie sehr die Traditionen von Jom Kippúr einen Rückzug aus dem gewohnten Leben betonen, wäre die Annahme naheliegend, dass es an diesem Tag um die Entwicklung der Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer geht. Read the rest of this entry »


Die Einheit von Ethik und Ritual

August 1, 2008

DeutschUnsere Tradition lehrt uns, dass wir in Bezug auf zwischen­menschliche Beziehungen besonders sensibel sein sollen, und so hat sich der Brauch entwickelt, dass wir einander vor oder an Jom Kippur um Verzeihung bitten.1 Sollen wir daraus schliessen, dass das, was dem Judentum wichtig ist, nur der zwischenmenschliche Bereich ist? Liegt das Wesen unserer Religion im Gesellschaftlichen und nur dort?

Manche behaupten das. Read the rest of this entry »


Die grösse des Sündenbekenntnis

August 1, 2008

Deutsch

אוֹר זָרוּעַ לַצַדִיק וּלְיִשְׁרֵי לֵב שִׂמְחָה
Licht ist gesät für den Gerechten,
und für die, die geraden Herzen sind, Freude.
(Tehillím 97:11)

Der Beginn von Jom Kippúr ist ein sehr ehrfurchtgebietender und ernster Moment. Jetzt wollen wir ein Paradox untersuchen: Jom Kippúr existiert, weil wir an den Menschen glauben. Wir glauben, dass der Mensch gerecht sein soll, und wir glauben, dass der Mensch gerecht sein kann.

Würden wir (wie manche anderen Religionen) an die Prädestination, die Vorherbestimmung glauben, dann hätten wir keinen Jom Kippúr, dann würden wir nicht an das menschliche Potential glauben. Es gäbe keinen Anlass, unsere Sünden zu bereuen, es gäbe keinen Grund, göttliche Verzeihung zu erwirken. Wir dagegen glauben an die Willensfreiheit, an die freie Wahl, und zugleich an die Verantwortung, die richtige Wahl zu treffen. Read the rest of this entry »