Schechitá in Polen: Eine ORD-Delegation knüpft Verbindungen mit der polnischen Vertretung an

Deutsch203px-Coat_of_arms_of_PolandWie die ORD zuletzt in ihrem Magazin veröffentlichte (Seite 3), traff eine Delegation der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands den polnischen Botschafter in Berlin, Herrn Dr. Dr. Marganski. Anbei das Bericht.

Am Mittwoch 31.08.2013 trafen sich R. Ebert, R. Folger und R. Soussan im Namen der ORD und der CER mit dem polnischen Botschafter, seine Exzellenz Dr. Jerzy Marganski, und der Botschaftsrätin für Landwirtschaft, Frau Dorota Bialczak, um sich über den Status des Schächtens in Polen zu unterhalten, der Regierung von Premier Donald Franciszek Tusk für ihr Engagement für den Schutz des rituellen Schlachtens zu danken und zu betonen, wie besonders wichtig, ja sogar unentbehrlich der Schutz des rituellen Schlachtens für die jüdische Gemeinde in Polen und in ganz Europa ist. Gleichzeitig wurde von den Rabbinern die Besorgnis über die tatsächlichen und möglichen Auswirkungen der Entscheidung des Sejm zum Ausdruck.

v.l.n.r.: R. Folger, SE Dr. Jerzy Marganski, R. Ebert, R. Soussan

v.l.n.r.: R. Folger, SE Dr. Jerzy Marganski, R. Ebert, R. Soussan

In einem sehr offenen und positiven Gespräch schilderte S.E. Dr. Marganski zunächst die Hintergründe der derzeitigen Schechita-Krise in Polen und bedauerte, dass die Initiative der polnischen Regierung, die Schechita künftig durch ein Gesetz zu schützen fehlschlug. Weiterhin erklärte er, dass er und die Regierung nun sehr zuversichtlich seien, dass die Schechita in den kommenden Monaten vor dem polnischen Verfassungsgericht verhandelt und dort für erlaubt erklärt werden würde. Er betonte, dass man sich auch weiterhin um ein gutes Verhältnis mit der jüdischen Bevölkerung im In- und Ausland bemühe, so haben beispielsweise auch diesbezüglich bereits Gespräche mit Vertretern des European Jewish Congress stattgefunden.

Im Laufe des Gespräches wurde seitens der Rabbiner unter anderem auf folgende Punkte hingewiesen:

  • wie sehr die Erneuerung der jüdischen Gemeinschaft in Polen in der Gegenwart begrüßt wird
  • dass der Antisemitismus in Polen in den letzten Jahrzehnten besonders deutlich rückgängig ist, und dass dies besonders begrüßt wird
  • wie viele deutsche Juden aus Polen stammen und ihre Familiengeschichten für immer mit der polnischen Geschichte verflochten sind und wie sehr die Errungenschaften maßgeblicher polnischer Rabbiner der letzten Jahrhunderte bis in die Gegenwart wirken und weltweit von Juden gelernt und deren Entscheidungen ausgeführt werden
  • dass Juden, jüdische Kultur und Religion ein fester Bestandteil der polnischen Geschichte bilden
  • dass, die (jüdische) Schechita keineswegs im Widerspruch zum Tierschutzgesetz steht (Dies wurde anhand von Beispielen, wissenschaftlichen Dokumentationen und weiteren Tierschutzgesetzen deutlich gemacht. Hierzu bemerkte S.E., dass dies tatsächlich Informationen seien, die den meisten Menschen unbekannt sein dürften und er regte an, diese künftig auch gerade über das Internet besser zu verbreiten)
  • dass gerade der Tierschutz im Judentum einen enorm hohen Stellenwert hat
  • dass, selbst wenn man Schechita bezüglich des Tierschutzes für bedenklich hielte, so doch das Recht auf freie Religionsausübung vorrangig behandelt werden muss
  • die negativen Auswirkungen, die diese Entscheidung des Sejm hat:
    1. Würde sie tatsächlich zu einer Abschaffung des Status Quo führen, nämlich, dass man nicht mehr in Polen schächten dürfte, man damit jüdisches Leben in Polen faktisch als unerwünscht erklärte.
    2. Bereits jetzt nutzen Schechitagegner weltweit diesen Beschluss fälschlicherweise als Zeichen, dass Polen sich grundsätzlich gegen die Schechita ausgesprochen habe.
    3. Der damit verbundene „Schneeballeffekt“ auf weitere Länder in Europa, die diese Entscheidung als Anlass zu einem eigenen Schächtverbot nehmen könnten.
  • dass man anhand der letztjährigen Beschneidungsdebatte in Deutschland zweierlei ableiten kann:
    1. Dass eine solche Debatte, wenn sie öffentlich geführt wird, auch zu alten antisemitischen Ressentiments bei Teilen der Bevölkerung führen kann.
    2. Wie positiv aber auch eine Regierung mit einem solchen Thema umgehen kann und durch eine eindeutige Positionierung, wie in Deutschland geschehen vor allem durch Bundeskanzlerin Merkel, Vorbild für die ganze Nation sein kann.

Mit diesen beiden Punkten wurde die Hoffnung zum Ausdruck gebracht und die Bitte verknüpft, dass sich die polnische Regierung gerade jetzt erneut deutlich positiv zur Schchita äußert.

Seine Exzellenz Dr. Jerzy Marganski versicherte, nicht nur diese Anliegen der polnischen Regierung zu übermitteln, er machte auch seine persönliche Ansicht und die der polnischen Regierung deutlich, dass es gewünscht und im Interesse Polens sei, auch künftig die Schechita und damit allgemein jüdisches Leben in Polen zu schützen und zu fördern. In diesem Zusammenhang schlug er auch vor, demnächst, im Rahmen einer Ausstellung in Berlin beispielsweise, eine gemeinsame Veranstaltung mit jüdischen Vertretern zum jüdisch-polnischen Erbe und dessen Auswirkung nach und über Deutschland in die Welt durchzuführen.

Nach diesem sehr positiven und von einer auch angenehm persönlichen Ebene geprägten Gespräch war das Gefühl vorherrschend, zuversichtlich sein zu dürfen was die Zukunft jüdischen Lebens in Polen angeht.

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