Halacha zum Wochenabschnitt: Baruch Hu uWaruch Schemo

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G“tt befiehlt uns im dieswöchigen Wochenabschnitt: We’assu li Mikdasch weschachanti betocham – Und sie werden Mir ein Heiligtum machen, und Ich werde in ihrer Mitte ruhen.

Obgleich der offizielle Tempeldienst hauptsächlich ein Opferdienst war, in dem die Kohanim (Priester) die Opfer des Volkes empfingen und vor G“tt opferten, und Opferfleisch je nach dem von Kohanim und bzw. auch vom Volk festlich und unter Einhaltung besonderer Heiligkeitsgesetze gegessen wurde, erklärt Rabbenu Jona Gerondi (13. Jh., Spanien), dass der Tempel allererst ein Ort des Gebetes war. Seit der Zerstörung des Tempels verlegte sich der Fokus unserer gemeinsamen geistigen Erfahrung auf die lokalen Synagogen. In der Synagoge lebt die Gebetstradition des Tempels weiter und wurde von weiteren Gebeten ergänzt, die nach dem prophetischen Motto (Hosea 14, 3) „wir bringen Dir die Farren unserer Lippen als Dankopfer“ einen Ersatz für den nun ausgefallenen Opferdienst bilden.

Heute sind uns die sehr häufigen Responsen „Amen“ und „Baruch Hu uWaruch Schemo“ wohl bekannt, auch wenn nicht alle sie am richtigen Zeitpunkt sprechen, oder sie manchmal genau dann aussprechen, wenn wir sie lieber nicht sagen sollen.

Im Tempel hat man sich mit diesen Exklamationen aber nicht begnügt. Dort, wo die Herrlichkeit G“ttes dauernd zu spüren war, sprach das Volk immer den Satz „Baruch Schem Kewod Malchuto le’olam wa’ed“ – Gelobt sei Seinen herrlichen, königlichen Namen für immer und ewig“. (Rambam, Gesetze der Fasttage, 4:15)

Diesen letzteren Vers sprechen wir heutzutage üblicherweise nur nach dem ersten Vers von Schma Jissraël, sowie am Ende von Jom Kippur vor dem offenen Toraschrein. Sonst erwidern wir auf Segenssprüche und gute Wünsche mit Amen, und sprechen das „Baruch Hu uWaruch Schemo“ oft, wenn wir den Namen G“ttes in einem Segensspruchformel hören. Oft, aber nicht immer.

Es gibt nämlich Momente, wo wir das „Baruch Hu uWaruch Schemo“ auslassen sollen, und solche, wo sogar kein Amen gesprochen wird. Ganz konkret gibt es Gebete, die wir sprechen sollen, aber von einem Anwesenden in unserem Namen gesprochen werden. Ein Beispiel ist das Kiddusch vor einer Mahlzeit. Wir haben alle die Pflicht, Kiddusch zu sprechen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass nur eine Person den Kiddusch spricht, und alle anderen andächtig zuhören und Amen antworten. Damit wird es ihnen angerechnet, als ob wir das selber gesprochen hätten. Dafür müssen wir aber darauf achten, nicht mit irgendwelchen Worten das Gebet zu unterbrechen. Selbstverständlich zählt ein Gespräch mit dem Nachbarn als Unterbrechung, aber sogar das Sprechen von „Baruch Hu uWaruch Schemo“ zählt nach aschkenasischen Brauch auch als Unterbrechung. Deshalb sollen wir diesen Satz unterlassen, wenn wir zuhören, um die eigene Pflicht zu erfüllen.

So auch gibt es Momente, wenn sogar das Amen ausgelassen werden soll, weil wir dann noch weniger unterbrechen dürfen. Die wichtigste Beispiele sind das Amen nach dem letzten Segensspruch vor der Amida (Stehgebet / Schemone Essrej) im Morgengebet, und überhaupt, wenn wir unsere eigene Amida oder einen anderen Segensspruch gerade sprechen. Dann sollen wir nicht einmal für Amen unser Gebet unterbrechen.

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