Ein Verzeihungsgebet der 10 Busstagen im Licht des 9. Aw

September 16, 2009

DeutschGestern erschien in Basel die neuste Ausgabe der Selichót (Verzeihungsgebete) zu den Hohen Feiertagen, nach dem Brauch der elsässischen Gemeinden. Das Buch heisst “Kol Jehudá”, und obwohl dessen hebräischer Text der bisher gangbare Ausgabe gleicht, ist diese die erste Ausgabe der elsässischen Selichót mit deutscher Übersetzung. 20-30% der im Elsass üblichen Selichót werden nirgens anderswo gesprochen, so dass viele der Gebete nun zum ersten Mal in Übersetzung erscheinen.

Den Verfassern, der Familie Dr. Ronnie Fried und dem Geoldschmidt Verlag, wünsche ich hier ein herzliches Maseltów. Möge diese erfolgreiche Vollendung ein Zeichen sein, dass das neue Jahr voller Erfolgsgeschichten sein wird. Ins Hebräische passt hier der Satz תחלה שנה וברכותיה.

Eine Selichá, die während des 5. der 10 Busstagen gesprochen wird, die nur im elsässischen Brauch bekannt ist, ist #87, איל אחר נאחז בסבך – “Ein Widder war gefangen im Dickicht bei seinen Hörnern.” Ich habe das gute Glück gehabt, diese eher schwierige Selichá für das Kol Jehudá kommentieren und übersetzen zu dürfen. Leider ist über den Autor, Kalonymus beRabbi Jehudá, sehr wenig bekannt. Er ist kaum im Encyclopedia Judaica zu finden, als mitglied der Kalonymus-Familie, aber es gibt keine persönliche Angaben. Im Internet fand ich auch nichts.

Immerhin habe ich ihn genau am Fastentag des 9. Aw gefunden, weil er ein Klagelied zur Zerstörung der Gemeinden von Speyer, Worms und Mainz durch die Kreuzfahrer, im Jahr 1096, schrieb. Das Klagelied, #40 im Rödelheim Kinót, ist als Bericht eines Augenzeugen geschrieben, was vermuten lässt, dass R’ Kalonymus ben Jehudá in einer diesen drei Gemeinden lebte und ein Überlebender jener Massenmord war. Gerne lerne ich mehr über diesen Autor. Schaná towá umtuká!