Frag den Rabbi – Warum sind die Juden das auserwählte Volk?

Rabbi-CoolClips_vc074807DeutschBetrachten wir die frühe biblische Geschichte, dann fällt auf, dass G”tt längst vor der Auserwählung Abrahams bereits mit Menschen sprach, eine Auserwählung hingegen vor Abraham nirgens zu spüren ist. Tatsächlich lehr Rabbiner Samson Raphael Hirsch, dass nach dem ursprünglichen g”ttlichen Plan es kein auserwähltes Volk geben müsste, sonder die ganze Menschheit heilig sein soll. Alle sollen nach den sieben noachidischen Gebote leben, damit es Frieden, Heiligkeit und Frommikeit auf Erden gäbe. Diese These ist umstritten, aber ich finde, sie entspricht hervorragend der Tatsache, dass bis Abraham,die Bibel universalistisch ist.

Leider scheiterte G”ttes Versuch, die ganze Menschheit vom Anfang an an einem hohen Standard zu halten, vier mal (Adam & Eva, Kain & Abel, die Generation des Sintfluts, die Generation nach dem Sintflut, nämlich die des Babelturms). Da jene g”ttliche Hoffnung sich als zur Zeit aussichtslos erwies, suchte sich G”tt einen Gründer einer erblichen Marketingagentur, die beauftragt wurde, eine schöne, g”ttesfürchtende, fromme, aufrechte, liebens- und friedensvolle Vorbild-Gesellschaft aufzubauen und so Priester für die Menschheit zu sein.

Die Auserwählung ist ewig, weil nur so eine Gesellschaft aufgebaut und im Stande gehalten wird. Dafür tragen wir aber Verantwortung für sehr viel. Diese Darstellung der Auserwählung Abrahams und Israels entspricht den Versen 1.B.M. 18:19 & 2.B.M. Kap. IXX. Letzterer läutet: Und ihr seid für Mich eine Nationstaat der Priester und ein heiliges Volk. Der Ausdruck “heiliges Volk” ist relativ einfach zu verstehen; es entspricht die Heiligkeitsgesetze der Torá. Hingegen müssen wir “Nationsstaat der Priester” erläutern. Nach der Erklärung des Rabbi Owadja Seforno ebd. heißt “Nationsstaat der Priester“, dass alle Juden Priester sind. Priester dienen aber eine Gemeinde, und diese Gemeinde ist die ganze Menschheit. Nach Raw Menachem Leibtag heißt “Nationsstaat der Priester”, dass wir nicht nur Gemeinden, sondern einen Staat errichten müssen, eine ganze Gesellschaft, in der es Rabbiner gibt, aber auch Ärzte, Richter, Automechaniker, Bankiere, und nationale Selbständgkeit mit nationalen Verantwortung und eine Regierung, Straßenbau, Spitäler, Gefängnisse, Verteidigungskräfte und Mühlentsorgung. Alles drauf und dran. Und diese Gesellschaft soll die eines heiligen Volkes sein, dass nach den Regeln der Frommigkeit, des Rechts und der Gerechtigkeit lebt.

Die Stammväter Abraham, Isaak und Jakob haben dafür ein festes Fundament errichtet, was kaum jemand kann oder getan hat. Seither bringt diese Auserwählung eine große Verantwortung mit sich. Dafür sind wir aber eben Mitglieder des gewinnenden, erfolgreichen Marketingteams, dass das Produkt “G”ttes Werte” durch beispielhafte Umsetzung vermarkten. Wir bauen die Modellwohnung für das Projekt Menschheit, nach der Anleitung des Architekten (G”tt). Diese Marketingagentur können wir Israel KdöR / GmuH-eDgKA (Gesellschaft mit *un*beschränter Haftung und mit der ewigen Deckung der g”ttlichen Kreditanstalt – also werden wir geschützt, haften aber gleichzeitig besonders stark).

Das interessante ist, dass sogar wenn es uns mal nicht gut geht oder die Teammitglieder nicht mitmachen, wir doch weiterhin nolens volens an der Arbeit beteiligt sind, und dass das uns aber unsere dauernde Weiterexistenz als Volk garantiert. Mit fast 4000 Jahre Firmengeschichte ist das die meist bankrottresistente Firma je.

Ich empfehle übrigens das Buch Worldperfect vom Geschichtler Ken Spiro als Auseinandersetzung der Einfluss der “Marketingagentur” Israel. Das Volk Israel ist zwar nicht immer, durchaus aber schon sehr erfolgreich, obwohl die Konkurrenz durch die Jahrhunderte hin immer wieder versuchte, das Personal abzulenken, auszugrenzen, einzuschränken und auszuschalten.

[UPDATE 20150128 9:40] Ist was ich humoristischerweise die Firma “Israel KdöR” nenne Synonym mit dem Staat Israel?

Ja und nein. Das Begriff “die Marketungagentur Israel” oder “die Frma Israel” wurde nicht erst in 1948 gegründet, sondern ist Synonym mit dem jüdischen Volk, seit der Zeit des Stammvaters Abraham. Aber wie oben erklärt, hat “Firma Israel” die Aufgabe, eine Modell-Gesellschaft nach den Werten der Torá zu errichten. Damit ist nicht lediglich ein Netzwerk von jüdischen Kultsgemeinden gemeint, sondern etwas viel größeres, ein selbständiges Land mit einer eigenen Regierung.

Wie passt der heutige Staat Israel in diesem Schema? Der heutige Staat ist nicht eine abstrakte Idee, sondern, was wir in der Informationstechnologie eine Instanz einer abstrakten Gedanke nennen. Das heißt, der Staat ist nicht perfekt, nicht frei von Kritik, aber eine Chance, wider möglichen politischen Konflikte, die Gesellschaft im heiligen Land auf diese biblische Utopie auszurichten. Sie ist eine von G”tt uns geschenkte Chance.

Unter denen, die aber den Staat Israel stark kritisieren, gibt es solche, die eigentlich die Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und dem heiligen Land verneinen, oder Juden kein selbständiges Land gönnen. Jene Behauptungen sind verabscheuendswürdig. Man kann sie aus verschiedenen Blickwinkeln, aus moralischer, völkerrechtliche, historischer oder religiöser Sicht, zu widerlegen. Ich betone hier die religiöse Bedeutung dieser Beziehung.

Die Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und dem heiligen Land ist kein historischer Zufall, nicht lediglich die geschichtliche Folge der Tatsache,dass Abraham sich dort niederließ. Viel mehr ist die Verbindung des Volkes Israel mit dem heiligen Land inhärent. Die Verbindung erkündige ich im Podcast Warum das heilige Land in einem Krisenherd liegt.

Das heißt aber wiederum nicht, dass Juden nicht außerhalb Israel leben dürfen. Alle westliche Lände, sowie sehr zahlreiche andere Länder, haben jüdische Bürger. Öfters ist die Geschichte der lokalen jüdschen Gemeinde älter, als die der Nationsstaat. So gab es Juden in Deutschland, in der Schweiz, in Frankreich, in der Iran und in vielen anderen Ländern, lang bevor diese Länder eine eigene Identität haten. Jüdische Bürger sind nicht weniger Teil der respektiven Gesellschaft, als die Mitglieder der dominanten etnischen oder religiösen Gruppe.

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3 Responses to Frag den Rabbi – Warum sind die Juden das auserwählte Volk?

  1. […] G”ttes mit ihrer Geburt unwiderruflich angehören. Um das besser zu verstehen, empfiehlt sich unsere Antwort zur Frage, weshalb Juden das auserwählte Volk sind. Wie dort erklärt, gehören sie seit der Geburt “der Marketingagentur G”ttes […]

  2. Dorothea Becker says:

    “Betrachten wir die frühe biblische Geschichte, dann fällt auf, dass G”tt längst vor der Auserwählung Abrahams bereits mit Menschen sprach, eine Auserwählung hingegen vor Abraham nirgens zu spüren ist. Tatsächlich lehr Rabbiner Samson Raphael Hirsch, dass nach dem ursprünglichen g”ttlichen Plan es kein auserwähltes Volk geben müsste, sonder die ganze Menschheit heilig sein soll. Alle sollen nach den sieben noachidischen Gebote leben, damit es Frieden, Heiligkeit und Frommikeit auf Erden gäbe. Diese These ist umstritten, aber ich finde, sie entspricht hervorragend der Tatsache, dass bis Abraham,die Bibel universalistisch ist.” Dem kann ich nur beipflichten und deshalb sind alle Menschen, die guten Willens sind das überhaupt wichtigste mosaische Gebot einzuhalten, nämlich das erste, mit auserwählt bis heute zu. Das schließt niemanden aus, selbst wenn die Menschheit sich in verschiedene monotheistische Religionen ausgeweitet hat. Wer weiß schon, was Gott denkt? Vielleicht liegt die Chance ja darin, dass wir einander wirklich annähern, indem wir dieses erste allerwichtigste Gebot versuchen zu verwirklichen und nicht nur starr an alten Überlieferungen festhalten, sondern flexibel bleiben – wie Gott auch – denn er verwirft niemanden, der sich ernsthaft um ein Miteinander bemüht und Frieden stiftet.

    • Arie Folger says:

      Die alte Überlieferung fühlt sich aber immer jung und zeitgemäß, weil sie zeitlos ist. Ich finde die Lösung deshalb in der besonderen Aufgabe des Volkes Israels, das dafür von G”tt auserwählt wurde. Nicht, weil wir besser sind, sondern weil wir eine generationenübergreifende Verantwortung zu erfüllen haben, aus der wir uns nicht befreien dürfen und es langfristig auch nicht können.

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