Halacha: Warum die, die am Adar I geboren sind, keine Unglücklichen sind

calender - leap day

Austrian-German_Swiss_flags-tinyDer deutsche Mathematiker, Experimentalphysiker und Satirist Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) widmete den armen Seelen, die im gregorianischen Kalender ihren Geburtstag nur alle vier Jahren feiern können, seine Schrift „Trostgründe für die unglücklichen, die am 29sten Februar geboren sind“. Wobei relativ wenig Menschen davon betroffen sind. Schätzungsgemäß sind es etwas mehr als 55000 Deutscher, die an diesen Tag geboren sind. Es entspricht 1/1461 der Bevölkerung.

Nicht so nach dem jüdischen Kalender. Innerhalb eines Zyklus von 19 Jahre fügen wir ganze 7 Schaltmonate hinzu. Die Geburtstage von nicht weniger als 7/235 der jüdischen Bevölkerung sind also vom extra Adar-Monat des jüdischen Schaltjahres betroffen. Wann feiern Schalt-Jahr-Adar-Kinder also ihre Geburtstage?

Diese Frage ist relativ Einfach. Beide Adar-Monate des Schaltjahres gelten als Adar. An normalen Jahren feiern also jene Kinder, die am 13. Adar I und am 13. Adar II geboren sind, beide am gleichen Tag, obwohl der eine ein Monat älter als der andere ist.

Der Umgekehrte Fall ist im übrigen halachisch nicht weniger interessant: In welchem Adar wird im Schaltjahr die Barmizwa eines Kindes gefeiert, das in einem normalen Jahr geboren wurde?

Obwohl sowohl Adar I als auch Adar II eines Schaltjahres als Adar-Monate gelten, gilt der Adar II als „wahrer“ Adar. Kinder, die in einem normalen Jahr geboren wurden, aber in einem Schaltjahr Barmizwa feiern, werden also erst im Adar II Barmizwa.

Daher kann etwas einzigartiges vorkommen: Zwillinge, die im Abstand von einem Monat ihre Barmizwa feiern. Ist der erste Zwilling am Ende des letzten Tages von Adar I kurz vor Sonneuntergang geboren, während der zweite bis Einbruch der Nacht zögerte und deshalb am 1. Adar II geboren ist, und ist ihr Barmizwa-Jahr kein Schaltjahr, dann wird der Zweitgeborener seine Barmitzwa am 1. Adar feiern, während der ältere Bruder bis Ende des gleichen Monates warten wird. Für die Familie gibt es dann allerdings zwei Gelegenheiten zu feiern. (Quelle: Kizzur Schulchan Aruch 15:2, Schulchan Aruch Orach Chajim 55:10 und Rema und Mischna Werura ebd.)

Dies gilt analog für Batmizwa-Mädchen.

Die gleiche Frage stellt sich bezüglich der Jahrzeit. Ist jemand in einem Schaltjahr verstorben, dann gelten die gleiche Regel, als bei einer Barmizwa. Ist jemand in einem normalen Jahr verstorben, dann teilen sich die Bräuche, wann an einem Schaltjahr die Jahrzeit zu feiern. Nach dem polnischen Brauch gilt auch hier die gleiche Regel, wie bei der Barmizwa, und wird eine Adar-Jahrzeit im 2. Adar-Monat gefeiert. Nach dem deutsch-jeckischen Brauch wird eine Jahrzeit hingegen im 1. Adar-Monat gefeiert.

Schlußendlich dürfen wir doch laut verkünden, dass wäre Georg Christoph Lichtenberg jüdisch, er seinen Aufsatz gar nicht geschrieben hätte, da bei uns der Geburtstag keines Einzelnen ausfällt. Immer hat die Halacha eine Antwort, die die Ängste des Schaltjahres vertreiben.

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