Halacha zum Wochenabschnitt: Nur authentische Pessach-Opfer zum Seder

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Austrian-German_Swiss_flags-tinySpielen die religiöse Opfergesetze noch irgendwelche Rolle im heutzutage gelebten Judentum?

Im Abschnitt dieser Woche, Zaw, lehrt die Tora, welche Opferarten im Stiftzelt und später im Tempel gebracht wurden, und was man mit deren Fleisch tat. So unterscheiden wir zwischen Brand- oder Ganzopfer (Ola), deren Fleisch komplett von den Flammen des Altars verzehrt wurde, Sühne- und Schuldopfer (Chatat und Ascham), deren Fleisch ausschließlich von den Kohanim im Tempelhof gegessen wurde, und eine Menge Kodaschim Kalim Opfer (Opfer lockererer Heiligkeit), von denen zwar bestimmte Teile den Kohanim geschenkt wurden, deren Fleisch sonst aber von jedem eingeladenen Juden und jeder eingeladenen Jüdin gegessen wurde. Für die Festgemeinschaft eigneten sich alle Säle und Höfe Jerusalems; im Gegenteil zu den Kodschej Kodaschim (hochheiligen) Opfern, aß man dieses Fleisch nicht im Tempelhof.

Die zwei wichtigsten Kodaschim Kalim Opfer waren das Dank- (Toda) und das Friedensopfer (Schelamim). Im Gegenteil zum Sühneopfer, das wegen einer unabsichtlichen, aber doch schlimmen Sünde gebracht wurde, brauchte man keinen besonderen Grund, um ein Friedensopfer zu bringen. Die Halacha schreibt vor, dass das Opferfleisch innerhalb einer vorgeschriebenen Zeit verzehrt werden musste (meistens bis Mitternacht, obwohl ein Friedensopfer bis zum Sonnenuntergang des Folgetages gegessen werden durfte). Daher lud man viele Gäste ein, um vom Opferfleisch zu genießen. Auch Arme und Bedürftige, die man kaum oder nicht kannte, wurden eingeladen, damit das Fleisch rechtzeitig gegessen wurde.
An Erew Pessach brachte man ein sehr besonderes Kodaschim Kalim Opfer: das Pessach-Opfer. Für dieses Opfer schreibt die Tora vor, dass es nur in der Seder-Nacht gegessen werden darf und zur Vorbereitung unbedingt am Spieß gebraten werden musste.

Obwohl, oder gerade weil wir derzeit seit fast zwei Jahrtausenden keinen Tempel haben, schreibt die Halacha vor, dass am Sederabend den Eindruck nicht entstehen darf, als ob man Opferfleisch serviert. Daher ist es unser Brauch, an den beiden Sederabenden kein Grillfleisch zu servieren, sei es vom Rind, Kleinvieh oder Geflügel. Fleischbraten ist nur erlaubt, wenn das Fleisch in einer Soße (also nicht nur im eigenen Jus) gebraten wird. (Schulchan Aruch Orach Chaim 476 und Mischna Werura ebd. §1; Kizzur Schulchan Aruch 119:8)

Am Sederabend gibt es auch besondere Gerichte, die speziell im Andenken an die Opfer, die uns in dieser Ära wegen der Zerstörung des Tempels fehlen: Ein Knochen, dessen Fleisch bewusst nicht am Sederabend gegessen wird, und ein angebratenes Ei, das am Sederabend doch gegessen wird (Kizzur Schulchan Aruch 118:5).

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