Zum Wochenabschnitt: Ein prophetischer Segen

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Austrian-German_Swiss_flags-tinyAls Ja’akow alt und krank wurde, fürchtete Josef, dass sein Sterbetag nahe war, und besuchte den Vater zusammen mit seinen zwei Söhnen. Ja’akow fand die Kraft, aufrecht zu sitzen und sprach (Berejschit 48:3-5):

Gott, der Allmächtige, erschien mir zu Lus im Lande Kanaan, und er segnete mich und sprach zu mir: Siehe, ich will dich fruchtbar machen und dich mehren und dich zu einem Haufen Völker machen, und ich will dieses Land deinem Samen nach dir zum ewigen Besitztum geben. Und nun, deine beiden Söhne, welche dir im Lande Ägypten geboren sind, ehe ich zu dir nach Ägypten kam, sollen mein sein; Efraim und Menasche sollen mein sein wie Reuwen und Schim’on.

Der Segen ist kryptisch

, aber Raschi (ebd. Vers 6) erläutert ihn für uns: Das Land Israel wurde in zwölf Bundesländer eingeteilt, mit einem Bundesland für jeden Stamm. Von den zwölf Söhnen Ja’akows gab es aber einen Sohn, der kein eigenes Bundesland erbte: Lewi, dessen Nachkommen in eigenständigen Städten zerstreut durch Israel wohnten. Damit das Land weiterhin in zwölf Bezirke verteilt werden soll, müsste ein Stamm in zwei Halbstämme geteilt werden, die jeweils den Status der anderen Stämme erhalten sollen. Dafür sagte Ja’akow durch: „Efraim und Menasche sollen mein sein wie Reuwen und Schim’on“.

War die Wahl Willkür, ein Gefallen des alten Vaters für seinen geliebten Sohn? Das wäre schwer vorstellbar, nachdem Ja’akow bereits Jahre zuvor auf diese Art Josef zum gehassten Bruder gemacht hatte, als er ihm einen besonderen Mantel geschenkt hatte (Berejschit 37:3). Daher lehrt auch Raw Bar Mechasja im Namen von Raw Chama Bar Gurjon im Talmud (Schabbat 10b), dass Eltern nicht zwischen ihren Kindern unterscheiden, sondern alle gleich lieben und begünstigen sollen, denn mit dem Geschenk des besonderen Mantels verursachte Ja’akow das ägyptische Exil.

Wer den Text aber ganz genau liest, wird merken, dass Ja’akow diesen Segen den Kindern Josefs nicht aus besonderer Liebe gab, sondern, weil er der Meinung war, dass sich in ihnen eine besondere Prophezeiung verwirklicht.

Vier Mal segnete G“tt Ja’akow: bei der Vision der Leiter, die bis in den Himmel reichte (Berejschit 28:13-15), als er den Befehl bekam, nach Israel zurückzukehren (ebd. 31:3), nachdem er in Lus einen Altar errichtete (ebd. 35:10-12) und auf dem Weg nach Ägypten (ebd. 46:3-4). In seinen Worten an Josef betont Ja’akow, dass G“tt mit ihm in Lus sprach. Zwar fanden sowohl die erste als auch die dritte Prophezeiung des Segens in Lus statt, doch meint Ja’akow die zweite Lus-Prophezeiung, als er mit Josef spricht, denn dort sagte ihm G“tt: „sei fruchtbar und mehre dich; eine Nation und ein Haufen von Nationen soll aus dir werden“.

Zu diesem Zeitpunkt waren elf seiner zwölf Söhne bereits geboren, wieso versprach ihm G“tt, dass er noch fruchtbar sein und sich mehren wird, d.h. noch mehr Kinder haben wird, ganz besonders mindestens drei, aus denen eine Nation und ein Haufen von Nationen … werden? Für Rabbi Jitzchak Abarbanel sah Ja’akow deshalb ein Zeichen im Namen des jüngeren Enkels Efraim, der seinen Namen bekam, bevor die Familie Josefs nach Ägypten kam und sich wieder mit ihm vereinigte. Denn Josef nannte Efraim so, weil (ebd. 41:52) hifrani E-lohim beErez OnjiG“tt hat mich fruchtbar gemacht im Lande meines Elends. Hifrani erinnert an pere urewe, sei fruchtbar und mehre dich, aus dem Segen G“ttes an Ja’akow.

So verstand Ja’akow, dass der Segen, dass er noch eine Nation und einen Haufen von Nationen züchten würde, mit der Geburt Benjamins, Menasches und Efraim verwirklicht wurde. Der Segen Ja’akows an Josef war keine Willkür, kein besonderes Geschenk an den geliebten Sohn, sondern die Realisierung, dass die Prophezeiung zur Wirklichkeit wurde.

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