Wozu sendete Mosche Kundschafter?

Austrian-German_Swiss_flags-tinyAm Anfang der Parascha dieser Woche sendet Mosche zwölf Kundschafter, um das Heilige Land zu erkunden. Leider hat diese Aktion desaströse Folgen, denn trotz des schönen, fruchtbaren Landes, das sie besuchen, schließen sie in ihren Bericht eine Warnung mit ein (Bamidbar 13:31): Die Männer, die mit hinaufgezogen waren, sprachen: Wir können nicht hinaufziehen gegen das Volk, denn es ist uns zu stark! Als Folge davon weigert sich das Volk, in das Heilige Land einzureisen. Dafür wird es bestraft und darf nicht mehr einreisen, sondern bleibt 40 Jahre in der Wüste, bis jene Generation ausgestorben ist; erst die Kinder und Enkelkinder dieser Generation ziehen in das Heilige Land.

Was ist hier falsch gelaufen? Hatte Mosche die Kundschafter nicht „al Pi haSchem“, nach dem Geheiß G“ttes, entsendet?

Wenn wir das Wort Kundschafter hören, dann kommen uns bestimmte Vorstellungen in den Sinn. Was waren die Kundschafter? Oft denkt man an Spione, Geheimdienstberichterstatter. Wenn dem so ist, dann ist der Misserfolg leicht zu begründen: Wieso gab Mosche ihnen freie Hand, öffentlich Bericht zu erstatten? Geben doch Spione geheime Berichte ab, die dann nur für die Augen und Ohren der Volksführung und oder des Heeres gemeint sind?!

Daraus hat der Nachfolger Mosches, Jehoschua, sicher gelernt, denn als er vierzig Jahre später (eigentlich 38) am östlichen Ufer der Jordanflußes steht und ebenfalls Kundschafter nach Israel sendet, dann legen sie drei Tage später ihren Bericht vor ihm persönlich ab, wie wir in der dieswöchigen Haftara lesen (Jehoschua 2:1). Jene Kundschafter kommen mit nützlichen Informationen zurück, aus denen klar ist, dass die Moral der Kenaaniter nicht sehr hoch ist, geschweige denn, dass sie von besonderen militärischen Vorbereitungen berichten können.

Dennoch ist die obige Interpretation der Gründe des Misserfolges nicht zufriedenstellend, denn wieso erlaubte Mosche diese öffentliche Berichterstattung überhaupt? Was dachte Mosche?!

Noch ein anderer Unterschied fällt zwischen den zwei Gruppen der Kundschafter aus: Jehoschua beauftragte zwei Menschen, Mosche aber zwölf. Wer aber sendet eine Gruppe von zwölf Spionen aus? Ist es nicht die Aufgabe von Spionen, sich unaufmerksam zu bewegen? Dazu sendet man doch keine zwölf Leute, und erst recht keine Promis. Und doch heißt es: die Kundschafter Mosches waren (Bamidbar 13:3): lauter Männer, die Häupter waren unter den Kindern Israel. Spione werden normalerweise wegen ihrer Berufsfähigkeiten gewählt, und haben keine repräsentative Funktion. Geheimdienste bemühen sich, die Identität ihrer Agenten geheim zu halten. Wieso sind die Spione von Mosche prominente politische Führer?!

Es sei denn, wir sind von einer falschen Vorstellung der Aufgabe der Kundschafter ausgegangen. Was wäre, wenn zwar die Kundschafter Jehoschuas Geheimdienstagenten waren, die von Mosche aber überhaupt nicht? Was denn sollen die Kundschafter sein? Rabbiner Menachem Leibtag schlägt vor, dass sie Landvermesser waren, die das Land bemessen müssten, um es in zwölf Bundesländer für die zwölf Stämme einteilen zu können. Damit die Einteilung garantiert fair ist, achtete Mosche darauf, dass sie repräsentativ waren: alles Promis, einer von jedem Stamm.

Selbstverständlich müssten diese ihren Bericht öffentlich abgeben, denn ihre Aufgabe war ja eine repräsentative, öffentliche Aufgabe. Was ist also schief gelaufen? Dass diese zivilen Politiker es wagten, militärische Information zu vermitteln. Mosche erwartete es gar nicht, denn es lag weder in ihrer Expertise noch in ihrem Aufgabenbereich. Darum fingen sie auch zuerst mit einem Bericht bezüglich der Fruchtbarkeit der Erde des heiligen Landes an; das verlief nach Plan. Nur hatten zehn der zwölf Kundschafter eine böse Überraschung vorbereitet: einen Bericht zum erwarteten Erfolg bei der Eroberung des Landes. Obwohl sie keine militärischen Kundschafter waren, glaubte ihnen das Volk und verachtete das Heilige Land, das sie von G“tt geschenkt bekamen. Dafür blieben sie weiter 38 Jahre lang in der Wüste.

Am Ende der 40 Jahre der Wüstenwanderung getraute sich Jehoschua nicht, diesen Fehler zu wiederholen. Er sendete zwar zwei geheime militärische Kundschafter, wartete aber mit der Verteilung des Landes, bis es bereits erobert worden war.

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