Halacha zum Wochenabschnitt: Zeige nicht auf andere, das ist unhöfflich (und zähle sie auch nicht)

February 23, 2016

Half_Shekel

Austrian-German_Swiss_flags-tinyUnser Wochenabschnitt fängt mit einer Verordnung an, wie vorzugehen, wenn eine Volkszählung im Volk Israel durchgeführt werden soll:

Wenn du die Zahl der Kinder Israel ermittelst, so soll ein jeder dem Ewigen ein Lösegeld für seine Seele geben, wenn man sie zählt; damit ihnen nicht eine Plage widerfahre, wenn sie gezählt werden; und zwar soll jeder, der durch die Musterung geht, einen halben Schekel geben, nach dem Schekel des Heiligtums; ein Schekel gilt zwanzig Gera. Der halbe Schekel ist eine Abgabe an den Ewigen. (2. B.M. 30, 12-13)

Auf den ersten Blick geht es hier um eine bedingte Mizwa, also wenn das Volk gezählt werden soll, dann… Das Ziel dieser Volkszählung sei in erster Linie Read the rest of this entry »


Frag den Rabbi: Gibt es ehemalige Juden?

December 7, 2015

Rabbi-CoolClips_vc074807DeutschKann jemand aufhören, Jude zu sein?

Eigentlich nicht. Unsere Weisen lehren ישראל, אף על פי שחטא, ישראל הוא, auch wenn ein Jude sich stark versündigt hat, bleibt er Jude (Sanhedrin 44a).

Und wenn ein Jude aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten ist?

Aus dem Judentum kann man halachisch nicht austreten. Das heißt nicht, dass der Austritt aus der jüdischen Gemeinde bedeutungslos ist. Ohne Mitglieder können die jüdische Gemeinden ihr heiliges Werk nicht finanzieren. Jede und jeder soll נושא בעול חבירו sein, das Joch der Gemeinde zusammen mit den anderen tragen. Gemeinden haben auch das Recht, Read the rest of this entry »


Prusbol: Wieso kann man und wann darf man ein Gesetz umgehen?

September 2, 2015

Deutsch109px-La2-euroUnter den zahlreichen landwirtschaftlichen und sozialen Gesetzen der Tora ist die Schemitta – das Schabbatjahr – vielleicht das radikalste. Ein ganzes Jahr darf in Israel weder gesät noch geerntet werden. Was von alleine wächst, darf nicht beschützt werden, sondern alle Felder und Baumgärten müssen für alle offenstehen, damit arm und reich unmittelbar vom Baum und vom Feld sich ernähren können. Sogar Tiere sollen ungehindert vom Feld essen dürfen. Dadurch betont die Tora die grundlegende Gleichheit aller Menschen. „Was das Schabbatjahr des Landes bringt, sei euch zum Essen, für dich, deinen Knecht, deine Magd, den Tagelöhner und den Beisaßen, die bei dir weilen“ (3. B.M. 25:6): Alle ernähren sich gleich, ohne Rücksicht auf ihren sozioökonomischen Status.

Nach der Mechilta (2. B.M., Abschnitt Mischpatim, § 214), einem halachischen Midrasch, ist es Bestandteil dieser Mitzwa, dass man den Zaun rund um das Feld oder Baumgarten einfach niederreißt, damit alle frei hineingehen können.

Es gibt aber einen dritten Aspekt des Schabbatjahres, der noch radikaler ist, und sowohl in Israel als auch in der Diaspora gilt: Alle sieben Jahren gehen nach dem Religionsgesetz alle Juden im Verhältnis zueinander bankrott! So steht Read the rest of this entry »


Dürfen Männer einen Ehering tragen?

July 30, 2015

Möbius Wedding BandDeutschDürfen Männer einen Ehering tragen?

Diese Frage erläutere ich in meinem Artikel “Bin schon vergeben” in der Jüdischen Allgemeine. Anbei eine etwas längere, vollständigere Version des Artikels:

Siehe, mit diesem Ring wirst du mir angeheiligt nach dem Gesetz von Mosche und Israel«: Mit dieser Formel schließt ein jüdischer Bräutigam unter der Chuppa den Bund der Ehe mit seiner Braut – und steckt ihr während dieser Kidduschin-Zeremonie den Ring an den Finger. Doch dürfen auch jüdische Männer einen Ehering tragen? Und wenn ja, wie bekommen sie den Ring überreicht? Read the rest of this entry »


Frag den Rabbi – Wird man nicht erst durch den Glauben Jude?

March 23, 2015

Rabbi-CoolClips_vc074807DeutschWenn ein Jude ein Atheist oder nicht praktizierender ist, wie kann er dann noch Jude sein?

Nun, ein atheistisches oder sonst abtrünniges Kind Israels ist und bleibt Jude, weil Juden keine Christen sind und nicht mit einer Taufe im Kirchenregister eingetragen werden, sondern dem Volk G”ttes mit ihrer Geburt unwiderruflich angehören. Um das besser zu verstehen, empfiehlt sich Read the rest of this entry »


Frag den Rabbi – Wie backte man Mazzot in der Bibel?

March 15, 2015

Rabbi-CoolClips_vc074807
DeutschUm für Pessach geeignet zu sein, müssen Mazzot innerhalb von 18 minuten geknetet und gebacken werden. FRAGE: In Exodus 12:34 liest man, dass die Kinder Israel den Teig in ihren Bmatza-no_copyrightacktrögen eingebunden, auf ihre schultern luden. Sie backten ihn, als sie Ägypten verliessen. Reichten dafür 18 Minuten ?

Wir müsen nicht, Halacha (Religionsgesetz) mit Geschichte verwechseln. Es gibt zwei geschichtlichen Gründe, wieso wir Matzot essen. 1) dass zur Zeit des Auszugs unsere Vorfahren keine Zeit hatten, um Baguette oder bayrische Brezen zu backen, und 2) Weil Brot nur für die Aristokratie war, und unsere Vorfahren die versklavten Hebräer es nie haben durften.

Der erste Grund symbolisiert die nun unbremmsbare Befreiung des jüdischen Volkes aus Ägypten; der zweite Grund das Elend der Versklavung. Damit ruft die Mazza sowohl glückliche als elendige Erinnerungen hervor. Read the rest of this entry »


Frag den Rabbi – Seit wann und warum bedecken jüdische Männer beim Gebet ihr Haupt?

March 12, 2015

Rabbi-CoolClips_vc074807DeutschSeit wann und warum bedecken jüdische Männer beim Gebet ihr Haupt?

Statt “seit wann” zu fragen, und statt eine Antwort auf “warum” oder “weshalb” zu erwarten düfte man zuerst die dieser Frage zugrunde liegenden Annahmen hinterfragen. Denken Sie doch nach, die Frage, seit wann jüdische Männer ihr Haupt beim Gebet bedecken ist ja nur sinnvoll, wenn man annimmt, das Menschen sonst barhaupt gehen. Das stimmt aber außerhalb des Christentums nicht immer.

Lange bevor die Kippa vermutlich erfunden wurde, Read the rest of this entry »