Prusbol: Wieso kann man und wann darf man ein Gesetz umgehen?

September 2, 2015

Deutsch109px-La2-euroUnter den zahlreichen landwirtschaftlichen und sozialen Gesetzen der Tora ist die Schemitta – das Schabbatjahr – vielleicht das radikalste. Ein ganzes Jahr darf in Israel weder gesät noch geerntet werden. Was von alleine wächst, darf nicht beschützt werden, sondern alle Felder und Baumgärten müssen für alle offenstehen, damit arm und reich unmittelbar vom Baum und vom Feld sich ernähren können. Sogar Tiere sollen ungehindert vom Feld essen dürfen. Dadurch betont die Tora die grundlegende Gleichheit aller Menschen. „Was das Schabbatjahr des Landes bringt, sei euch zum Essen, für dich, deinen Knecht, deine Magd, den Tagelöhner und den Beisaßen, die bei dir weilen“ (3. B.M. 25:6): Alle ernähren sich gleich, ohne Rücksicht auf ihren sozioökonomischen Status.

Nach der Mechilta (2. B.M., Abschnitt Mischpatim, § 214), einem halachischen Midrasch, ist es Bestandteil dieser Mitzwa, dass man den Zaun rund um das Feld oder Baumgarten einfach niederreißt, damit alle frei hineingehen können.

Es gibt aber einen dritten Aspekt des Schabbatjahres, der noch radikaler ist, und sowohl in Israel als auch in der Diaspora gilt: Alle sieben Jahren gehen nach dem Religionsgesetz alle Juden im Verhältnis zueinander bankrott! So steht Read the rest of this entry »


Frag den Rabbi: Sind das adoptierte Kind einer jüdischen Frau oder das Kind einer Leihmutter jüdisch?

August 25, 2015

Rabbi-CoolClips_vc074807DeutschIst das adoptierte Kind einer jüdischen Frau jüdisch?

Die biologische Eltern-Kind-Beziehung ist eben … biologisch, und kann nicht durch Gesetzen oder Verträgen aufgelöst oder dort entstehen, wo es sie nicht gibt. Die Liebe, die Aoptiveltern ihren Adoptivkinder geben, ist real und tief, und dafür schulden die Kinder ihren Adoptiveltern enorme Dankbarkeit. Damit entsteht aber noch keine formale Eltern-Kind Beziehung, die sich ja nicht nur emotionell ausdrücken soll, sondern auch zu einer Menge legaler Folgen führt. Eine Adoption ist deshalb, was man eine “legal fiction” nennt, also eine Beziehung, die aus dem gangbaren Recht verkündet und anerkannt wird, um bestimmte vom Gesetz umrahmte Folgen zu erzwingen (Erbschaft, Obhut, usw.). Nicht jedes Rechtssystem ermöglicht, die biologische Eltern-Kind-Beziehung durch einer anderen zu ersetzen. Wir kennen Read the rest of this entry »


Dürfen Männer einen Ehering tragen?

July 30, 2015

Möbius Wedding BandDeutschDürfen Männer einen Ehering tragen?

Diese Frage erläutere ich in meinem Artikel “Bin schon vergeben” in der Jüdischen Allgemeine. Anbei eine etwas längere, vollständigere Version des Artikels:

Siehe, mit diesem Ring wirst du mir angeheiligt nach dem Gesetz von Mosche und Israel«: Mit dieser Formel schließt ein jüdischer Bräutigam unter der Chuppa den Bund der Ehe mit seiner Braut – und steckt ihr während dieser Kidduschin-Zeremonie den Ring an den Finger. Doch dürfen auch jüdische Männer einen Ehering tragen? Und wenn ja, wie bekommen sie den Ring überreicht? Read the rest of this entry »


Wie ist es mit der Schweigepflicht nach der Halacha?

June 18, 2015

Fdr_sidefrontDeutschNach dem absichtlichen Abstürz des Germanwing-Fluges 4U9525 fragt die Öffentlichkeit, ob die Schweigepflicht von Ärzten gelockert werden soll. Die Halacha (das jüdische Religionsgesetz) basiert auf alten zeitlosen Prinzipien, die nicht wesentlich von der westlichen Kultur der Moderne beeinflußt wurde. Daher bietet sie eine erfrischende Perspektive, mit einer Teils ganz andere Konzeption der Schweigepflicht. Lesen Sie meinen Beitrag dazu in der Jüdischen Allgemeine.


Welche Rolle spielt Ethik in unserem religiösen Verständnis?

May 20, 2015

Rabbi-Aharon-LichtensteinDeutschFolgender Artikel meiner Wenigkeit erschien im neusten Magazin der ORD, zu Schawuot 5775.

Welche Rolle spielt Ethik in unserem religiösen Verständnis?

Drei Freunde sitzen im Restaurant zusammen und einer, der das soziale Etikette bricht und die Schlagzeilen auf dem Handy liest, erschreckt sichtbar, als er einen jüdischen Namen in einer Schlagzeile sieht. „New York, Associated Press – Der ImmobilienhändlerYankel Rosenbergenblickovichizky ist einer der 27 Verdächtigten, der gestern von der FBI in einer Razzia verhaftet wurde.“ Was soll das, wie kann ein Jude unter den Verbrechern sein! Als unser Leser auf dem Link klickt, erscheint das Bild vom genannten Verdächtigten. Schwarzer Anzug, Vollbart, Kippa oder sogar einen großer Hut. Read the rest of this entry »


Frag den Rabbi – Wird man nicht erst durch den Glauben Jude?

March 23, 2015

Rabbi-CoolClips_vc074807DeutschWenn ein Jude ein Atheist oder nicht praktizierender ist, wie kann er dann noch Jude sein?

Nun, ein atheistisches oder sonst abtrünniges Kind Israels ist und bleibt Jude, weil Juden keine Christen sind und nicht mit einer Taufe im Kirchenregister eingetragen werden, sondern dem Volk G”ttes mit ihrer Geburt unwiderruflich angehören. Um das besser zu verstehen, empfiehlt sich Read the rest of this entry »


Zur Jahrzeit eines besonderen Mannes – Josef Uni ז”ל

March 21, 2015

©DanielSchvarcz_20131201_304DeutschVor einem Jahr, an den 3. Nissan 5774, ging unser Freund und Bekannte, Josef Uni seinen letzten Weg im Diesseits. Einige Wochen später, anläßlich der halbjährigen Tagung der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands, fand ein Sijum, eine Vollendung eines Talmudtraktates im Verdienste seiner Seele statt (Podcast hier – in hebräischer Sprache).

Josef Uni war der unvergessliche langjährige Gabbaj Read the rest of this entry »


Kann man die Religion des anderen korrekt wahrnehmen? – Zur Woche der Brüderlichkeit

March 18, 2015

Abraham_LilienDeutschaudio-input-microphoneBei der Pforzheimer Woche der Brüderlichkeit 2015 wurde nicht zum jüdisch-christlichen Dialog, sondern zum abrahamitischen Trialog eingeladen. (Beim Gebet war es sogar seeehr bunt – siehe Bild unten)

Zum Thema Gewalt und Gewaltpotential in Religion hatte ich im beiliegenden Podcast einige Gedanken, wie die Religion eines anderen zu umrahmen. Eine überwältigende Mehrheit der Terroristen der letzten Jahren bekennen sich einem Islam. Ist Islam deshalb Schuld am Terror? Oder ist es eine oder sogar die Religion des Friedens? Ich schlage vor Read the rest of this entry »


Ist Pessach für die Vergangenheit oder die Zukunft? (Podcast)

March 16, 2015

Deutschaudio-input-microphoneAn Pessach gedenken wir der ruhmreichen jüdischen Geschichte, dem mit Wundern ermöglichte Auszug aus Ägypten und dem Aufmarsch zu Schawuot und zur Offenbarung am Berg Sinai, sowie zum heiligen Land. Gibt es den Pessach-Seder, um die Vergangenheit nicht zu vergessen? In der Haggada lesen wir, “in jeder Generation, soll der Mensch [der den Seder feiert] sich vorstellen, als ob er selber aus Ägypten herausgezogen ist”. Weshalb und wieso? Könnte die Aufgabe des Pessach-Seders auch sein, uns für die jüdische Aufgabe zu sensibilisieren? Read the rest of this entry »


Frag den Rabbi – Wie backte man Mazzot in der Bibel?

March 15, 2015

Rabbi-CoolClips_vc074807
DeutschUm für Pessach geeignet zu sein, müssen Mazzot innerhalb von 18 minuten geknetet und gebacken werden. FRAGE: In Exodus 12:34 liest man, dass die Kinder Israel den Teig in ihren Bmatza-no_copyrightacktrögen eingebunden, auf ihre schultern luden. Sie backten ihn, als sie Ägypten verliessen. Reichten dafür 18 Minuten ?

Wir müsen nicht, Halacha (Religionsgesetz) mit Geschichte verwechseln. Es gibt zwei geschichtlichen Gründe, wieso wir Matzot essen. 1) dass zur Zeit des Auszugs unsere Vorfahren keine Zeit hatten, um Baguette oder bayrische Brezen zu backen, und 2) Weil Brot nur für die Aristokratie war, und unsere Vorfahren die versklavten Hebräer es nie haben durften.

Der erste Grund symbolisiert die nun unbremmsbare Befreiung des jüdischen Volkes aus Ägypten; der zweite Grund das Elend der Versklavung. Damit ruft die Mazza sowohl glückliche als elendige Erinnerungen hervor. Read the rest of this entry »