When Fulfilling a Mitzvah Necessitates a Leniency

October 7, 2019

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EnglishIn the following article of mine, which was published by the YU Lamdan, I explore the question of whether more is always better in religion. I do so through the lense of the halakhic literature on the voluntary fulfilment by women of those mitzvot of which they are exempt, namely a subset of the time bound positive commandments. In the process, I document the high regard halakhic sources have for such piety by women, and also explore some of the key sources of the disagreements regarding whether women ought to recite blessings upon voluntarily fulfilling commandments of which they are exempt. As is well known, Ashkenazim encourage the recitation of those blessings, while Sefardim mostly do not, but I do document a whole slew of Sefardi authorities who sided with the Ashkenazi practice on this issue. Back to the general question, I conclude that more is not always better, and that being stricter or seemingly act more piously is therefore not necessarily better. Instead, we need to weigh in a multidimensional manner the halakhic advantages and disadvantages of any voluntary stricture.
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Prayer doesn’t change the world (but it helps, a lot)

October 4, 2019

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EnglishThe following essay of mine was presented at the international peace meeting entitled Peace Without Borders in Madrid in September 2019, an interfaith meeting organized for the last 30 years by the Sant’Egidio Community, a Catholic lay organization. I attended representing the Conference of European Rabbis.

Around 1990, a euphoria filled the Western world. The Cold War had come to an end, the West (which also included many countries in the east) had won, and most of the eastern bloc countries became liberal democratic free market societies. It looked like we were going to enter a permanently peaceful era, termed by Francis Fukuyama the End of History.

Unfortunately, in many regards, it is the competing and generally less appealing prediction of Samuel Huntington that became realized, the Clash of Civilizations. We are witnessing the reemergence of ancient prejudices and feuds as drivers for contemporary conlficts.

As religious people, our natural disposition is to pray, to cry out to our Father in Heaven for a blessing of peace and brotherhood. Surely, in our increasingly secular world, in which the practice of prayer has declined dramatically during the past century,1 religion may just provide such answers to contemporary challenges that were mostly overlooked. So is prayer the answer to our quest for peace? Prayer surely opens gates of inner peace, can it also unleash the loving torrents of brotherhood?

Though I will argue that in some ways, prayer can truly be helpful in this quest, I would like to first warn against the effectiveness of prayer in solving human conflicts. Read the rest of this entry »


Die Hohen Feiertage – eine Öffnung in der Zeit

September 18, 2018

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DeutschDie Sehnsucht nach G“tt und nach unserer jüdischen Seele ist ein Teil des Prozesses der Teschuwa. Obwohl mit diesem Begriff die Reue über Verfehlungen und Umkehr von der Sünde verstanden wird, heißt Teschuwa wörtlich Rückkehr oder Heimkehr. G“tt sagt zu uns – das ist in der Haftara des Schabbat, der auf Rosch haSchana folgt – Schuwa Jissraël ‚ad haSchem E-lohekha, „kehre zurück, Israel, zum Ewigen dein allmächtiger G“tt.

Rückkehr muss nicht außergewöhnlich sein, Read the rest of this entry »


Was ist Heimat?

September 14, 2018

Zeitschrift

Austrian-German_Swiss_flags-tinyAls Jude kann man sich tief mit Israel verbunden fühlen und zugleich ein guter Europäer, ja sogar beim Fußball ein Lokalpatriot sein. Es ist auch moralisch wichtig, darüber nachzudenken, wie Staaten mit den Fragen der Zugehörigkeit ‒ zu einem Land, zu einer Religion ‒ umgehen. Mancherorts sind vor langer Zeit mühsam errungene Freiheiten in Gefahr.

[Erschien im jüdischen Echo Band LXVII, hier erhältlich]

Während ich diese Zeilen schreibe, empfinde ich eine merkwürdige Euphorie. Obwohl ich in meinem Leben kaum Fußball gespielt habe und noch wesentlich weniger Fußballspielen zugeschaut habe, freute ich mich über den Sieg der Roten Teufel – der belgischen Nationalmannschaft – gegen Japan im Achtelfinale der Weltmeisterschaft. Trotz eines katastrophalen Spielverlaufs, der die Japaner zu Beginn der zweiten Hälfte mit zwei Toren in Führung sah, gelang es den Roten Teufeln in der Folge auszugleichen und in der allerletzten Spielminute noch ein drittes Tor zu schießen und so das Spiel zu gewinnen.

Dass ich mich darüber freue, ist allerdings merkwürdig. Read the rest of this entry »


Halacha: Fasten, Essen und Trinken zu Jom Kippur

September 14, 2018
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Jakub Weinles (1870-1935) – Żydzi modlący sie w Jom Kippur

Austrian-German_Swiss_flags-tinyFasten zu Jom Kippur gehört zu den wichtigsten und strengsten Mizwot des Jahres und wird von Juden weltweit auch so wahrgenommen. Wiederholt zeigten israelische Meinungsumfragen, wie weit verbreitet die Mizwa eingehalten wird. Egal ob jemand unter dem Jahr orthodox, traditionell oder säkular lebt, zu Jom Kippur fasten die allermeisten Juden; weder essen, noch trinken sie.

Dennoch gibt es Situationen, in denen die Tora dieses Verbot nicht nur aufhebt, sondern einen Menschen verpflichtet, zu essen und zu trinken: Wer sonst in Lebensgefahr geraten könnte. Dann ist es nicht nur keine Mizwa, zu fasten, sondern eine Mizwa zu essen. Read the rest of this entry »


To Be or Not To Be

May 24, 2018
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Ist das das Bild eines Möchtegern-Nasirs?

Austrian-German_Swiss_flags-tiny[Ein Einsiedler] sein oder nicht sein, das ist die Frage

Die ausführlichere Fassung meines Aufsatzes im PUNKT N°097

Welcher ist der ideell-religiöse Zustand des Menschen? Soll er sich von dem Materiellen trennen, sich in Einsamkeit den religiösen Werten widmen, soll er von den üblichen Zeitvertrieben der Menschen absehen, oder darf und soll er sein religiöses Leben als ein in der Menschenwelt verwurzelter Mensch entfalten lassen? Es ist fast ein Cliché, dass das Judentum die religiöse Praxis im Diesseits wünscht, dass es im Judentum um die Heiligung des täglichen, normalen Leben geht. Aber eine besondere Mizwá erschwert uns, dieses Cliché in Stand zu halten: die des Nasiräertums. Read the rest of this entry »


Halacha-Ecke – Warum richten wir einen Eruw Tawschilin her?

April 3, 2018

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Fällt ein Jomtow an einem Freitag (und beginnt also der Jomtow-Tag am Donnerstagabend), dann werden wir Juden gemahnt, einen Eruw Tawschilin vor Jomtow herzurichten. Meistens besteht dieser aus einem Brot (diesmal eine Mazza!) und einem Ei, den wir vor Jomtow vorbereiten und aufbewahren. Dazu wird ein Segenspruch und ein unverständliche Text gesprochen. Wieso?

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