Auch Essaw heiratete eine Nicht-Kenaaniterin (sogar zwei!) – Gastbeitrag

December 2, 2016
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Isaac und Rebecca mit Jakob und Esau – Jan Victors (1652)

Austrian-German_Swiss_flags-tinyVon Rabbiner Schlomo Hofmeister

Durch reden oder denken allein, kann niemand seinen Charakter verbessern. Gute Absichten und Vorsätze sind zwar ein wichtiger Anfang, genügen aber alleine noch nicht, um tatsächlich nachhaltig irgendetwas zu verändern. Unsere Weisen, sel. A., bringen hierzu das folgende Beispiel: Essaw, der Bruder unseres Stammvaters Jaakow, ist uns allen bekannt für sein grobes und tadelnswertes Wesen. Doch auch er kannte Momente in seinem Leben, in denen er versuchte sich zu bessern, ein guter Mensch zu werden und dem Namen seiner Familie, seinen Grosseltern Awraham und Sara und seinen Eltern Jitzchak und Riwka, durch sein eigenes Le­ben und Be­neh­men Ehre zu bringen. Read the rest of this entry »


Die Integration von Flüchtlingen als Herausforderung für Juden und Christen

November 29, 2016
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Muster-Cover der Zeitschrift Dialog-Du Siach

Austrian-German_Swiss_flags-tinyDie interreligiöse Zeitschrift Dialog-Du Siach hat meine Ansprache des vergangenen Frühjahrs beim jährlichen Treffen der deutschen Bischhofs- und Rabbinerkonferenzen veröffentlicht, in dem ich Herausforderung der langfristigen erfolgreichen Integration umschreibe. Heute bekam ich das Erlaubnis, die PDF-Datei zu posten. Zuvor hatte ich den Text meiner These hier gepostet. Für Ihren Lesegenuß. Read the rest of this entry »


Das Grab der Patriarchen, die zweitheiligste Stätte im Judentum

November 24, 2016

579px-Torah,_20th_century,_fabric,_metal,_wood,_paper_-_Saint_Ignatius_Church,_San_Francisco,_CA_-_DSC02570DeutschEin Jahr bevor die UNESCO in einer Reihe von Abstimmungen versuchte, jeg­liche Verbindung des Judentums mit Jeru­salem und dem Tempelberg zu leug­nen, erließ sie am 21.10.2015  bereits eine andere antisemitische Resolution, nach der das Grab der Patriarchen in Hebron eine rein muslimische Stätte ist. Obwohl diese lächerliche Entscheidung der UNESCO nichts an der israelischen Politik ändern wird, und immerhin Israel nachweislich der beste Hüter heiliger Stätten unter­schiedlicher Religionen ist, wurde jener Ort nicht erst in den letzten Jahrzehnten zu einem begehrten Objekt. Read the rest of this entry »


Wenn Lot nicht mehr weiter gehen will – Gastbeitrag

November 18, 2016
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Lot flüchtet mit seinen Töchtern – Albrecht Dürer, ca. 1498

Austrian-German_Swiss_flags-tinyVon Dr. Ruth Winkler

In der Parascha dieser Woche finden wir eine Reihe großer Erzählungen über die Urväter und -mütter. Versuchen wir, in den verschiedenen Handlungen einen „roten Faden“ zu finden, lautet der gemeinsame Nenner der Episoden vielleicht so: Wer wird nach Awraham und Sarah das Werk weiterführen? Da geht es auch darum, wer das nicht sein wird. Nicht Jischmael, der Sohn Hagars, sondern Jizchak, der Sohn Sarahs, wird der Erbe Awrahams. Allerdings hat Jischmael nach der Tren­nung noch Chancen und Potential, künftig ein gutes Leben zu führen ─ wenn er mitnimmt, was er bei Awraham gelernt hat, und wenn er auch aus der Krise lernt. Ihm wird vorausgesagt, Stamm­vater vieler Völker zu sein. Was er daraus macht, ist offen. Aber die Chancen sind da. Read the rest of this entry »


Noach – der in seiner Generation als rechtschaffen galt – Gastbeitrag

November 4, 2016
Noach, am Vorabend der Sintflut - John Linell (1848)

Noach, am Vorabend der Sintflut – John Linell (1848)

Austrian-German_Swiss_flags-tinyVon Rabbiner Schlomo Hofmeister

Raschi wirft hierzu die berühmte Frage auf: Was bedeutet, dass Noach in seiner Generation als rechtschaffen galt? Bedeutet das, wie der talmudische Rabbi Jehuda es interpretiert: nur in seiner Generation – also im Vergleich zur Schlechtigkeit und Verkommenheit seiner Mitmenschen war er noch als rechtschaffen zu bezeichnen? Oder so wie Rabbi Nechemija es sieht: trotz seiner Generation – ungeachtet der Schlechtigkeit seiner Zeitgenossen, die sicherlich einen Einfluss auf ihn hatten, blieb er dennoch rechtschaffen? Read the rest of this entry »


Frag den Rabbi: Was tut G”tt seit der Schöpfung

October 28, 2016

Rabbi-CoolClips_vc074807DeutschG-tt hat die Erde in 6 Tagen erschaffen. Danach war Schabbat, an dem Er sich erholt hat. Was hat Er am achten Tag und seitdem gemacht?

Sie sind nicht der Erster, der diese Frage stellt. Der Midrasch Rabba (Berejschit 68:4 – hier) erzählt, dass eine (römische) Matrone den Rabbi Jossi Ben (Sohn des) Chalafta fragte, was der liebe G”tt seit der Schöpfung tut. Rabbi Jossi Sohnes Chalafta erwiderte: Heiratsvermittlung. Die Matrone fand das zu unbedeutend und behauptete, so was könne sie auch selber tun. Sie hatte viele Diener und Dienerinnen, und beschloss, zu vermittlen, damit die alle Paare bilden. Am nächsten Morgen wurde sie von einer Menge an Knechten und Mägden, die fast wie Krüppel aussahen. Der eine hatte ein blaues Auge, die andere hatte eine blaue Fleck, hier hatte sich jemand ein Bein gebrochen, dort einen Zahn oder zwei verloren. Also verstand sie, dass man nicht einfach zwei Menschen zusammentun kann.

Wollen wir diesen Midrasch tiefer interpretieren, Read the rest of this entry »


Das Buch Kohelet: wenig bekannt aber sehr einflußreich – Gastbeitrag

October 21, 2016
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Seite mit dem Anfang des Buchs Kohelet, aus der Cervera Bibel, die 1299- 1300 geschrieben wurde. (Portugesische Nationalbibliothek)

Austrian-German_Swiss_flags-tinyVon Frau Dr. Chani Hinker

Jedes Jahr, inmitten der Freude des Sukkotfestes, der Sman Simchatenu, am Schabbat Chol Ha-Mo’ed Sukkot, wird in vielen Synagogen das Buch Kohelet gelesen. Unsere Weisen nehmen einstimmig an, dass Schlomo Ha-Melech (der König Solomon) der Verfasser dieses philosophischen und intellektuellen Buches ist, das er am Ende seines Lebens schrieb.

Sefer Kohelet beeinflusste Werke der Weltliteratur, von Shakespeares Sonetten über Goethes Faust, von Tolstois Bekenntnissen bis zu Thomas Wolfe und Ray Bradburys Fahrenheit 451. Abraham Lincoln fand es passend, während der dunklen Stunden des amerikanischen Bürgerkrieges, in seiner State of the Union Rede am 1. Dezember 1862 Kohelet 1:4 zu zitieren. Read the rest of this entry »


Tabula rasa oder Rechenschaft abgeben?

October 7, 2016
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Detail von Michael Willmann (1630-1706), “Creation of the World”

Austrian-German_Swiss_flags-tinyVon Rabbiner Schlomo Hofmeister

Bereits an Rosch HaSchana, dem Jahrestag der Weltschöpfung, haben wir zu Mussaf im „Unessanne Tokef“ gesagt: „An Rosch Ha-Schana wird einge­schrieben, und an Jom Kippur besiegelt: wie viele aus dieser Welt scheiden werden und wie viele erschaffen werden; wer leben wird und wer sterben wird.“ Dieser bereits aus spät-talmudischer Zeit stammende Pijut (poetische Einfügung im Gebet) scheint das Paar der Hohen Feiertage in eine logische Reihenfolge zu ordnen: Rosch Ha-Schana, der “Jom Ha-Din” (Tag des Gerichts), gefolgt von Jom Kippur, dem Tag der endgültigen Urteilsverkündung ─ an dem Schuld­geständnisse, ehrliche Einsicht und echte Reue auch das schlimmste Urteil noch in einen Freispruch umzuwandeln vermögen.

Aber würde es denn nicht viel mehr Sinn machen und auch in unserem Interesse sein, das doch auch dem Lieben G”tt sehr am Herzen liegt, das alte Jahr mit dem Jom Kippur abzuschließen, damit wir bereits mit dem von uns allen erhofften Freispruch in der Tasche, alle Schuld vergeben, das neue Jahr an Rosch Ha­Schana, somit einem für uns unbedenk­lichen Jom Ha-Din, beginnen können? Read the rest of this entry »


Liegt die Bedeutung des Kol Nidrej auch in seiner Melodie? – Gastbeitrag

October 7, 2016
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Ausschnitt aus “Juden beten in der Synagoge an Jom Kippur” ─ Maurycy Gottlieb (1856-1879)

Austrian-German_Swiss_flags-tinyGastbeitrag von Shmuel Barzilai, Oberkantor der IKG Wien.

Jom Kippur, der wichtigste und heiligste Feiertag der Juden, wird am Vorabend mit dem Kol Nidrej eröffnet.

Die Melodie von Kol Nidre ist die be­liebteste und bekannteste aller jüdi­scher Melodien weltweit, und sie lässt keinen Zweifel daran, dass sie von einem Komponisten mit besonderen Talenten geschaffen wurde. Diese Melodie hat sicher nicht wenig zum Ausmaß der Bekanntheit des Kol Nidrej beigetragen.

Was bewegt die Menschen beim Sprechen dieses Textes, wo es doch am Jom Kippur viele an­dere gleich­wer­tige und sogar vom Inhalt bedeu­tungs­vollere Ge­bete gibt? Was ist das Geheimnis dieses Gebetes, wann be­gann man es zu sagen, wo­her stammt es und wer schrieb wann die Musik dazu? Read the rest of this entry »


Was ist ein Bund?

September 30, 2016

Austrian-German_Swiss_flags-tinyDer Begriff Bund ist in unserer Parascha ganz groß geschrieben. Ihr alle steht heute vor dem Ewigen … um einzutreten in den Bund des Ewigen … ich schließe diesen Bund und diesen Eid nicht mit euch allein, sondern sowohl mit euch, die ihr heute hier seid …, als auch mit denen, die heute nicht bei uns sind. (Dewarim 29:10-15). Dieser Begriff des Bundes ist dem andächtigen Leser der Tora nicht fremd. Schon mit Noach und später mit Awraham schloss G”tt Bündnisse. Nach dem Auszug aus Ägypten schloss G”tt weitere Bünd­nisse mit unseren frisch aus der Sklaverei befreiten Vorfahren, und nun schließt G”tt wieder einen Bund mit deren Kindern. Was aber ist ein Bund, und was ist das Besonderes an diesem Bund unserer Parascha? Read the rest of this entry »