Ein sehr reicher Mann hatte zwei Söhne, die in einem weit entfernten Teil des Landes wohnten. Der eine war reich wie sein Vater, der andere war leider arm. Als ihre Schwester heiraten sollte, schickte der Vater dem reichen Sohn folgende Einladung mit der Bitte, seinen weniger erfolgreichen Bruder zu informieren: „Du und dein Bruder und eure Familien werden bei der Hochzeit erwartet. Ich werde euch beiden gerne alle Ausgaben erstatten, die ihr tätigt, um mich zu ehren.“ Der reiche Sohn war begeistert. Er und seine Frau fingen sofort mit den Vorbereitungen an, wählten für sich die vorzüglichsten Kleider aus und für ihre Kinder die aufwendigsten Kostüme. „Warum sollte ich sparen“, dachte er, „wenn mir mein Vater alles bezahlt?“ Sie mieteten eine Kutsche, die sie zur Hochzeit der Schwester bringen sollte, und es war ein unvergesslicher Anblick, wie die Familie zu dem grossen Fest aufbrach. Read the rest of this entry »
Gute und böse Augen
August 1, 2008Mahlzeiten für den Geist
August 1, 2008
Wir nähern uns der Zeit des Jahres, in der es die meisten Feiertage gibt. Kurz nacheinander gehen wir in uns, begrüssen Gott respektvoll als König über alle, erwecken in uns in Ehrfurcht und Demut vor Ihm, wohnen draussen in der Sukká und freuen uns, bis wir schliesslich mit der Torá tanzen, um unsere Verbindung mit ihr auszudrücken. Die Basis all dieser Erfahrungen ist die Gottesfurcht. Wie aber kann es uns gelingen, mehr Ehrfurcht vor Gott zu entwickeln? Read the rest of this entry »
Zurück zur Ehrfurcht
August 1, 2008Erinnern Sie sich an das erste Mal, als Ihnen bewusst wurde, wie majestätisch unsere Basler Synagoge ist? Vielleicht waren Sie ein Kind oder, wie ich, schon ein Erwachsener, als sie diese massiven Mauern gesehen haben, die schon seit fast 140 Jahren jüdische Gebete aufnehmen. Waren unsere Gebete damals nicht anders? Erinnern Sie sich daran, wie Sie als Kind zum ersten Mal die enorme Bedeutung des Gebets verstanden haben? Wie Ihnen klar wurde, dass Sie als ein einfacher Mensch, dem man noch keine Autoschlüssel und vielleicht nicht einmal Hausschlüssel anvertraut, mit dem Herrn der Welt sprechen und gehört werden können? Read the rest of this entry »
Der wandernde Jude
August 1, 2008Jährlich tun viele von uns ein paar Wochen lang das, womit unsere Vorväter so viel Erfahrung hatten: umherwandern. Aber im Unterschied zu unseren Vorvätern tun wir das nicht deshalb, weil wir ins Exil gezwungen werden, sondern weil wir es wollen. Die Gesellschaft, in der wir leben, hat sogar ein Wort gefunden, das unsere jährliche Pilgerreise und unser selbst auferlegtes Exil beschreibt: Urlaub. Read the rest of this entry »
Das letzte Gebot
August 1, 2008
Wenn wir irgendeine beliebige Gruppe von Juden fragen würden, was die schwierigste Mizwá in den Zehn Worten ist, würden viele sagen: die Pflicht, den Schabbat zu halten. Wenn wir fragen würden, welche Mizwá in den Zehn Worten eine ideale Gesellschaft gemäss der Torá am stärksten von unserer heutigen westlichen Welt unterscheidet, würden viele wiederum den Schabbat nennen.
Dem kann man jedoch widersprechen. Read the rest of this entry »
Der fromme Vogel
August 1, 2008
Anders als bei den grösseren Säugetieren, den Wassertieren und den kleinen Landtieren,1 gibt uns die Torá bei den Vögeln keine Kennzeichen dafür an, ob sie koscher sind. Stattdessen zählt sie zwanzig fliegende Wirbeltiere auf,2 die verboten sind. So könnten wir durch Elimination ermitteln, welche Vögel koscher sind.3 Der Talmúd analysiert die Liste (s. Talmúd Bawlí Chullín 63a-b). Er verbindet die biblischen Namen mit zeitgenössischen Bezeichnungen der Arten und entwickelt eine Reihe von Kennzeichen, durch die wir bestimmen können, ob ein Vogel koscher ist oder nicht.
In der Aufzählung der verbotenen Vögel fällt einer aus dem Rahmen,4 weil er eine positive Eigenschaft hat. Es ist die חַסִידָה, der Storch.5 Er heisst so, weil er seiner Familie mit חֶסֶד, liebevoller Güte, begegnet. Read the rest of this entry »
Von wahrer Zedaká
August 1, 2008Retten und heilen
Zu den besonderen Eigenschaften unseres Volkes gehört unsere Praxis, Zedaká zu tun (לַעֲשׂוֹת צְדָקָה). Wenn wir einen Blick auf Mitteilungsblätter und Quartierszeitungen in Israel werfen, dann staunen wir mit Recht über die Kreativität unseres Volkes, das treffend als רַחֲמָנִּים בְּנֵי רַחֲמָנִּים ’Barmherzige, Kinder von Barmherzigen’ bekannt ist. Eine Vielzahl von „Gemachim“ bemühen sich, zu helfen, zu unterstützen, zu trösten, zu erleichtern, zu heilen, zu retten oder wiederherzustellen, wo immer jemand das braucht. Für jedes Bedürfnis gibt es ein Angebot; niemand muss nach einer persönlichen Tragödie die Folgen einsam und allein tragen. Read the rest of this entry »
Die Halachá als Basis einer Gesellschaft der Liebe
August 1, 2008
Jom Kippúr, der „Versöhnungstag“, ist deutlich von Ritualen geprägt. Während dieses heiligen Tages verzichten wir für etwas mehr als fünfundzwanzig Stunden auf gewohnte körperliche Annehmlichkeiten wie Essen und Trinken, um den ganzen Tag lang unserem Schöpfer zu dienen. Wir beten, singen, lesen die Torá, hören vielleicht sogar einen Schi‘úr (religiösen Vortrag). Wir ziehen einen ganz weissen Kittel an, das Sargenes, umhüllen uns mit einem weissen Tallít und bedecken den Kopf mit einer weissen Kippá, und damit wenden wir uns wenigstens für diesen einen Tag von der auffallenderen Kleidung ab, die in Mode ist. Wir beschränken in dieser Zeit unseren Umgang mit anderen Menschen und vermeiden ganz allgemein Tätigkeiten, die uns zur Sünde bringen könnten. Man könnte sagen, dass wir einen ganzen Tag lang ein heiliges Leben führen, voller Spiritualität und ohne Materialismus.
Wenn wir bedenken, wie sehr die Traditionen von Jom Kippúr einen Rückzug aus dem gewohnten Leben betonen, wäre die Annahme naheliegend, dass es an diesem Tag um die Entwicklung der Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer geht. Read the rest of this entry »
Wunder alleine erwecken die Glaube nicht
August 1, 2008
In dieser Predigt, ursprunglich an Schabbat Paraschát Mischpatím, 29. Schewát 5767 (17. Februar 2007), gesprochen, wird erforscht, weshalb die biblischen Wunder, wie etwa die des Exodus, nur während einer beschränkte Epoche vorgekommen sind – würden nicht viel mehr Leute G”tt anerkennen, wenn es noch heute solche Wunder gäbe? Read the rest of this entry »
Posted by Arie Folger 
