Die rechtschaffen Frauen

April 3, 2009

Die rechtschaffenen Frauen in Ägypten1

Je zahlreicher unsere Vorfahren in Ägypten wurden, umso mehr wurden sie von den Ägyptern unterjocht und unterdrückt. Das gipfelte in den berüchtigten Anweisungen des Par‘ó an die Hebammen und später an alle Ägypter:

וַיֹּאמֶר בְּיַלֶּדְכֶן אֶת־הָעִבְרִיּוֹת וּרְאִיתֶן עַל־הָאָבְנָיִם אִם־בֵּן הוּא וַהֲמִתֶּן אֹתוֹ וְאִם־בַּת הִיא וָחָיָה׃

Und er sagte: Wenn ihr die Hebräerinnen entbindet, so sollt ihr auf den Geburtsstuhl achten; wenn es ein Sohn ist, so sollt ihr ihn töten, und wenn es eine Tochter ist, so mag sie leben. (Schemót 1:16)

וַיְצַו פַּרְעֹה לְכָל־עַמּוֹלֵאמֹר כָּל־הַבֵּן הַיִּלֹּוד הַיְאֹרָה תַּשְׁלִיכֻהוּ וְכָל־הַבַּת תְּחַיּוּן׃

Da gebot der Par‘ó seinem ganzen Volk: Jeden neugeborenen Sohn sollt ihr in den Fluss [Nil] werfen, und jede Tochter mögt ihr leben lassen. (Schemót 1:22)

Warum wollte der Par‘ó die Jungen töten und die Mädchen am Leben lassen? Wenn er ‘Am Jissrael auslöschen wollte, welchen Sinn hatte es, die Mädchen am Leben zu lassen? Read the rest of this entry »


Die letzte Haute Couture der Hebräer

April 3, 2009

flag-ch_de-tiny chassidic-collection-ilgalantuomo-from_hint_blogEinige Midraschím betonen, dass sogar nach einem mehr als zweihundertjährigen Exil in Ägypten, wobei die Assimilationsdruck und der Emanzipationswunsch sicher enorm waren, unsere Vorfahren sich noch immer an einigen moralischen und kulturellen Brauchen hielten. (Siehe Die rechtschaffen Frauen in Ägypten) Besonders betonen die Midraschím שלא שינו את מלבושם, dass sie ihre Kleidertracht nicht änderten – sie blieben deutlich als Hebräer erkennbar.

Nun, anscheinend zur Überbrückung der Zeit zwischen Purím und Pèssach, kommt die folgende Mode-Inspiration aus meine Heimat:
Gunhyo Kim, eine Koreaner, der an der Königliche Kunstakademie in Antwerpen studierte, hat eine Modekollektion entworfen, die sich von jüdischer Kleidertracht inspiriert (Hint Fashion Magazine/Blog – hat tip: SBA).

Nun müssen wir nur darauf warten, dass die körperliche Bescheidenheit auch bei Frauen wieder “in” wird. 😉


Vorboten der Erlösung

April 2, 2009

Die Hungrigen und die Einsamen, Vorboten der Erlösung1

Bevor wir beim Seder damit beginnen, die Geschichte unserer Befreiung vom ägyptischen Joch zu erzählen, erklären wir bei der Eröffnung des Maggíds2: כָּל דִּיכְפִין יֵיתֵי וְיֵכוֹל, כָּל דִּצְרִיךְ יֵיתֵי וְיִפְסַח ‘jeder, der hungrig ist, komme und esse, jeder, der bedürftig ist, komme und beteilige sich am Pèssach-Opfer’.3 Read the rest of this entry »


Die wahre Freiheit

April 2, 2009

Deutsch

Es sind mittlerweile wohl drei Jahre vorbei, seit ich diese Worte schrieb, und seither habe ich nicht mehr von Schuluniformen in der Schweiz gehört, obwohl ich vielleicht einfach schlecht informiert bin. Immerhin bleibt die Analyse des Begriff Freiheit weiterhin relevant, und werden wir weiterhin dauernd bedroht, statt wahre Freiheit nur einen Schatten der Freiheit zu haben, und an Mode und Trends versklaft zu sein. Die Torá aber zeigt uns weiterhin den Weg der wahre menschliche Freiheit und Entfaltung.

— Arie Folger, 3. April ’09

Die wahre Freiheit1

Jedes Jahr sprechen wir am Sederabend die Worte וְאִילוּ לֹא הֹצִיא הַקָדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא אֶת אַבוֹתֵינוּ מִמִצְרַיִם, הַרֵי אָנוּ וּבָּנֵינוּ ובְּנֵי בָנֵינוּ מְשֻׁעְבָּדִים הָיִינוּ לְפַרְעֹה בְּמִצְרָיִם – „Und hätte der Heilige, gepriesen sei Er, unsere Vorfahren nicht aus Ägypten herausgeführt, dann wären wir und unsere Kinder und unsere Nachkommen in Phar’o Ägypten versklaft“. Ist es tatsächlich so? Read the rest of this entry »


Der Gebetstourist

March 2, 2009

DeutschWas hat das folgende Thema mit Pèssach zu tun? Na ja, wie kann man, nach dem das Publikum bereits acht Tage Matzen isst, noch während einer Rede wach halten? Der Frühling wird gespürt, und die Leuten traumen doch bereits von den Sommerferien, die sie längst planen, also bleiebn sie erst wach, als wir zusammen von den Ferien traumen dürfen. So entstand die Predigt “Der Gebetstourist”, wobei hoffentlich nachher die Interesse wachst, auch zum 8. mal an Jomtov mit Konzentration und Ernst, aber auch mit Freude und Jubelgesang das Gebet zu beleben.

–Arie Folger, 3. März, ’09 Read the rest of this entry »


Licht am Ende des Tunnels

January 21, 2009

flag-ch_de-tinyNach drei Wochen schwieriger Kämpfe, während der die Israelische Verteidigungskräfte der Hamas schwierige Verlusste haben erleiden lassen, haben Israel und nachher Hamas, je einen unlateralen Waffenstillstand ausgesprochen. Einerseits war die israelische Offensive eindruckerweckend, es zeigte sich wieviel die israelische Armee und die politische Führung des Landes von dem zweiten Lebanonkrieg gelernt haben, der ja von vielen als Fehlschlag betrachtet wurde, obwohl er die Hizbollah anscheinend doch lehrte, nicht mehr Israel zu reizen.

Heute aber, erst zwei Tage nach dem Anfang des Waffenstillstandes, berichten die Medien, dass die Schmuggeltunnels bereits wieder in Operation sind. Manche haben das Gefühl, dass die Operation “Gegossenes Blei” kein eindeutiges Erfolg ist; Hamas wurde zwar stark geschwächt, ist aber noch immer dem Terrorrismus gewidmet.

Israel befindet sich also zwar in einer besseren Lage als unmittelbar nach dem zweiten Lebanonkrieg, aber es gibt noch immer dunkle Wolken an der Horizont.

Die Worte eines Predigt namens “Nun wirst Du sehen”, die ich nach dem zweiten Lebanonkrieg schrieb, sind im Nachhinein voraussehend. Deshalb finde ich auch Hoffnung und Inspiration für die Zukunft in diesen Worten. Nachdem ich jene Worte wieder gelesen habe, möchte ich laut verkünden: es gab Licht am Ende des Tunnels, und in der Zukunft wird es noch mehr Licht geben, am Ende des jetztigen metaphorischen Tunnels. Read the rest of this entry »


Die Ägypter von der Verwesung der Getreidestocks retten

December 27, 2008

flag-ch_de-tinyAls die Seleukiden unter Antiochus IV Epiphanes versuchten, das jüdische Volk vom Judentum zu entfernen, verboten sie einige wichtigen Mizwót, auch die Beschneidung. Dass die Beschneidung eine zentrale Rolle in der jüdischen Identität und im jüdischen Selbstverständnis spielt, ist wohl bekannt. Die Beschneidung ist das physische Zeichen des Bundes G”ttes mit dem Stammvater Awrahám und seinen Nachkommen. Im hellenistischen Verständnis der Seleukiden sollte die Nichtbeschneidung den Juden erleichtern, sich zu assimilieren. Wenn wir kein Sonderzeichen in unseren Körpern tragen würden, würden wir – so hofften die Seleukiden – vielleicht auch die Auserwählung Israels verneinen und uns komplett mit den Griechen verschmelzen.

Gibt es aber auch eine zusätzliche Dimension? Symbolisierte die Beschneidung noch etwas, das die Seleukiden nicht wollten? Ein enigmatischer Midrasch aus dem Abschnitt Mikéz bringt uns dazu einen Hinweis. Read the rest of this entry »


Einweihung und Erziehung

December 1, 2008

DeutschDas Wort Chanukká, mit dem wir die Erinnerung an die Wieder­einweihung des Tempels bezeichnen, hängt etymologisch mit Chinnúch ‘Erziehung’ zusammen. In der Tat sind zentrale Themen von Chanukká ebenso zentral für unsere jüdischen Vorstellungen von Erziehung.

In seinem Brief an die Juden in Jemen erwähnt der Rambam (Maimonides) kurz, wie Antiochus Epiphanes versuchte, das Judentum – und damit indirekt das jüdische Volk – zu zerstören: Read the rest of this entry »


Wir dürfen das Licht nicht auslöschen

December 1, 2008

DeutschDie hellen Flammen unserer Chanukká-Menorót sollen das Wunder bei der Wiedereinweihung des Bejt ha-Mikdásch publik machen. Der heidnische Götzendienst, den Antiochus Epiphanes eingeführt hatte, wurde abgeschafft: Alle Götzenbilder und alle Gegenstände, die zu ihrer Verehrung dienten, wurden zerstört, und diejenigen, die das Verbrechen der Entweihung des Bejt ha-Mikdásch begangen hatten, wurden aus Jerusalem und schliesslich auch aus den anderen jüdischen Städten in Israel vertrieben. Das Wunder, dass man ein kleines Fläschchen Öl fand, das noch tahór1 war und die Menorá im Tempel acht Tage brennen liess, kann man als Gottes Zustimmung zur Wiedereinweihung unseres heiligsten Ortes verstehen. Damit stellt sich die Frage, auf welche Weise man sich am besten an dieses Wunder erinnern sollte. Sollen wir das wachsende Staunen derer hervorheben, die das Wunder miterlebten und jeden Tag sahen, dass das Öl noch einen weiteren Tag reichte? Oder sollen wir betonen, dass das Öl überhaupt gefunden wurde, so dass das grösste Wunder am Beginn des Feiertags stattfand? Read the rest of this entry »


Zur Einweihung der Synagoge Lörrach

November 9, 2008

DeutschHeute, an dem 70. Jahrestag der Reichskristallnacht (eigentlich stimmt das nicht ganz. Die Reichskristallnacht war am Vorabend des 16. Marcheschwán 5698, der dieses Jahr, 2008, erst mit dem 13. November zusammenfällt, aber es sind immerhin genau 70 Sonnenjahre vorbei) wurde die neue Synagoge in Lörrach eingeweiht. Ich habe die Ehre gehabt, als rabbinischer Berater, dieses Projekt teilweise mitgestalten zu dürfen – einige Bilder findet man am Ende dieses Blog-Posts – und sprach heute zur Einweihung die folgende Grussbotschaft: Read the rest of this entry »