Gedanken zur asiatischen Flutwelle

August 19, 2008

Gott wirkt durch die Natur1

Es ist typisch für den Menschen, zu denken, er sei weise, so wie es auch typisch für unsere moderne Gesellschaft ist, zu meinen, dass unsere Gesellschaft, die der Welt in den letzten vierhundert Jahren eine Revolution des Wissens gebracht hat, alles verstehen könne. Aber König Schelomó schrieb: אַל־תִּתְחַכַּם יוֹתֵר ‘mache dich nicht zu weise’ (Kohèlet 7:16).

Das Leben ist nicht so einfach, und immer wieder wird der Mensch daran erinnert, dass das Leben kompliziert ist. Leider ist es aber auch eine Eigenschaft des Menschen, dass eines für ihn noch schlimmer ist, als nicht zu verstehen – nämlich, etwas zu verstehen und dadurch in sich Unbehagen zu erzeugen. Am liebsten sollte das Wissen nicht das Gewissen ansprechen.

Diese menschlichen Eigenschaften sind universell, doch kommen sie jetzt gerade mehr in der westlichen Welt vor. In diesem Sinne finde ich die schönen, emotionalen und tiefen Worte, die Bundespräsident Samuel Schmid im Berner Münster gesprochen hat, bewundernswert. Auf das Buch Ijów gestützt, hat er versucht, gegenüber den trauernden Betroffenen der Katastrophe in Südasien das Beileid des Schweizer Volkes auszudrücken. Read the rest of this entry »


Das korrumpierende Böse

August 12, 2008

DeutschWenn das Böse in reiner, ungemilderter Form auftritt, ist es abschreckend, verabscheuungswürdig und abscheulich. Wir scheuen vor der Begegnung mit diesem Bösen zurück, das wir mit unserem angeborenen inneren moralischen Auge leicht erkennen. Die schlimmsten Scheusale der Geschichte – sei es Par‘ó, ‘Amalék, Sanchèriw, Newusaradán, Hamán, Chmelnizki, Stalin oder Hitler – sind so abschreckend, dass wir keine Spur von Sympathie für sie haben und schwer verstehen können, wie sie überhaupt Einfluss haben konnten – obwohl sie tragischerweise tatsächlich Menschen dazu brachten, sich an ihren bösen Taten zu beteiligen. Ist das reine Böse das grösste Übel, das uns und unsere Gesellschaft zu korrumpieren droht, oder kann es auch ein geringeres, aber doch gefährlicheres Übel geben, das droht, das Gefüge einer moralischen Gesellschaft zu zerstören? Read the rest of this entry »


Nachmanides’ Schmetterling

August 4, 2008

DeutschSeit den 60er Jahren vertritt James Lovelock, ein international anerkannter Wissenschaftler, seine grosse einheitliche Theorie des Lebens auf der Erde, die Gaia-Hypothese. Prof. Lovelock betrachtet alles auf der Erde, sowohl Organismen als auch leblose Materie, als einen Superorganismus, der nach Gleichgewicht strebt. Im allgemeinen wird das erwünschte Gleichgewicht erreicht, aber es kann manchmal vorkommen, dass das ganze irdische System nach einer Serie von kleinen Veränderungen aus den Fugen gerät. Das neue Gleichgewicht, das sich danach wieder einstellt, ist gewiss ganz anders als jeder frühere Zustand. Read the rest of this entry »


Augenblicke der Grösse

August 3, 2008

DeutschBen ‘Asáj lehrt: אֵין לְךָ אָדָם שֶׁאֵין לוֹ שָׁעָה וְאֵין לְךָ דָבָר שֶׁאֵין לוֹ מָקוֹם ‘es gibt keinen Menschen, der nicht seine Stunde, und kein Ding, das nicht seinen Ort hätte’ (Mischná Pirkéj Awót 4:3).

Jedem Menschen werden in seinem Leben einige Augenblicke der Grösse gewährt, einige Gelegenheiten, sein Leben für immer zu verändern. Scheinbar kleine Entscheidungen können eine langfristige Wirkung haben. Aber man erkennt die Bedeutung des Augenblicks nicht immer ganz, und das, worauf sich unsere Entscheidung bezieht, wird auch nicht immer genügend geschätzt. Read the rest of this entry »


Ehrliche Verkaufer sein

August 1, 2008

DeutschLasst uns ehrliche Verkäufer sein1

Was bedeutet es, jüdisch zu sein? Ist das Judentum eine Religion? Eine ethnische Gruppe? Eine Kultur? Diese Fragen sind in den letzten Jahren besonders schwierig geworden. Es gibt eine wachsende Zahl von Nichtjuden, die durch die „Grossvater-Klausel“ des israelischen Rückkehr­gesetzes (die aus einer Gesetzesänderung von 1970 stammt) israelische Bürger wurden, und mittlerweile beträgt die Zahl der nichtjüdischen ‘Olím 300’000-500’000.2 Read the rest of this entry »


Torá und Vergebung im Dienst der Einheit

August 1, 2008

Jom Kippúr ist der Höhepunkt eines vierzigtägigen Prozesses, der mit Rosch Chódesch Elúl begonnen hat. Diese Tage sind voller symbolischer Bedeutung.

Wie Sie wahrscheinlich wissen, kommt die Zahl vierzig in der schriftlichen und mündlichen Torá recht oft vor: Read the rest of this entry »


Kleine und grosse “Tzores”

August 1, 2008

DeutschAls Moschè Rabbénu während der Offenbarung am brennenden Busch Gott nach Seinem Namen fragte, antwortete Er ihm mit einem Namen, der erklärt wird als ‘Ich werde in diesem Exil – in Ägypten – mit dem Volk sein und Ich werde in zukünftigen Zeiten des Exils mit ihm sein’ (s. Schemót 3:13-14 mit Raschi). So wurde das Exil in Ägypten zum Modell für alle späteren Zores (Plural von jiddisch zore ‘Leid, Not, Schwierigkeit, Sorge’, zu hebräisch zará) des Volkes Israel. Read the rest of this entry »


Von Kindern lernen

August 1, 2008

DeutschIch möchte Ihnen Daniel Cohen vorstellen, einen typischen Dreitagejuden. Er ist das jüdische Gegenstück von „Otto Normal­verbraucher“. Er ist ein gewöhnlicher, sympathischer Mensch, der das Gefühl hat, eine starke jüdische Identität zu besitzen, auch wenn er die meiste Zeit des Jahres der Synagoge fernbleibt und zu Hause auch nicht allzu viele jüdische Traditionen praktiziert. Kurzum, Daniel Cohen ist so wie die meisten von uns. Daniel Cohen passt genau hierher. Read the rest of this entry »


Würdiger Gruss

August 1, 2008

Deutsch

ה’ בְּמִשְׁפָּט יָבוֹא עִם־זִקְנֵי עַמּוֹ וְשָׂרָיו וְאַתֶּם בִּעַרְתֶּם הַכֶּרֶם גְּזֵלַת הֶעָנִי בְּבָתֵּיכֶם:

HaSchèm [Gott als der Barmherzige] geht ins Gericht mit den Ältesten Seines Volkes und dessen Fürsten, und ihr habt den Weinberg abgeweidet, der Raub vom Armen ist in euren Häusern. (Jescha‘jáhu 3:14)

Der Prophet klagt uns an … Wir haben nicht nur die Schwachen und Machtlosen im Stich gelassen, wir haben nicht nur den metaphorischen Weinberg unbewacht gelassen, wir haben ihn zerstört (וְאַתֶּם בִּעַרְתֶּם הַכֶּרֶם), und der gestohlene Besitz der Armen befindet sich in unseren Häusern. Was ist das für ein gestohlener Besitz des armen Mannes, von dem der Prophet Jescha‘jáhu spricht? Was könnte denn der Reiche von den Dingen, die dem Armen gehören, gestohlen haben? Würde irgendjemand sich die Mühe machen, die Lumpen des Armen, seine dreckige, zerrissene Kleidung zu stehlen? Sein Bettzeug und das quietschende Bett, wenn er überhaupt eines hat? Um welchen Besitz könnte man den Armen denn beneiden? Read the rest of this entry »


Die richtigen Ambitionen

August 1, 2008

DeutschDies ist die Geschichte von jemandem, mit dem ich gemeinsam die Jeschiwá besuchen durfte, Avraham David Weiss. Jahrelang hatte ich keinen Kontakt mehr mit ihm, weil wir unsere Studien an verschiedenen Institutionen fortsetzten. So wusste ich nicht, dass er geheiratet und sich in Upstate New York niedergelassen hatte; ich wusste nichts von seinen Kindern und seinem Beruf. Vor etwa zwei Jahren erfuhr ich aber, dass Avraham David Weiss an einer derzeit nicht heilbaren Krankheit leidet, der amyotrophen Lateralsklerose (ALS), die auch als Lou-Gehrig-Syndrom bekannt ist. Read the rest of this entry »