Warum gerade in Deutschland

July 11, 2012

Deutsch1280px-Frank_Dt_R-Staat_A_HitlersAnne Will moderierte heute auf Das Erste ein Gespräch zum kölner Landesgerichtsurteil, das die rituelle Beschneidung als strafbare Körperversehrung schilderte. Holm Putzke und Angelika Kallwass fragten wieso “warum gerade in Deutschland” ein Argument gegen dem kölner Landesgerichtsurteil sein soll. Nun warum?! Read the rest of this entry »


Ein Volk, eine Gemeinde – Rückblick auf dem Freitagabend-Anlass

July 5, 2012

DeutschLetzen Freitagabend hat das Rabbinat ein außergewöhnliches Programm durchgeführt, das mich an TFNIS (Turn Friday Night In Shabbat, des National Jewish Outreach Program) erinnert, für den ich mal gearbeitet hatte. Nach einem kurzen Empfang mit einem Biss Kugel / Kiegel und eine Limonade füllten zahlreiche Leute unsere kleine Synagoge für einen Anfängerg”ttesdienst (“Beginners’ Service” – ebenfalls von NJOP), um singend, von Erklärungen begleitet, Mincha und ein Stück Kabbalat Schabbat zu erfahren. Dazu wurden wir zur Amida (dem leisen Stehgebet) von Herrn Karel Lorenc vorbereitet. Einige Minuten führte er uns in die intuitiven Meditation ein, damit wir alle Sorgen des Alltags und alle fremde, störende Gedanken entfernen, um vor G”tt unsere Amida zu sprechen und für unsere Bedürfnisse beten.

Das Publikum der übervollen kleinen Synagoge wird von Herrn Karel Lorencz in der intuitive Meditation als Vorbereitung zur Gebet eingeführt

Anschließend – nach dem Anfängersg”ttesdienst, der noch vor Schabbateingang endete, schloss sich die Gruppe dem regulären Schabbatgebet in der Ohel Jakob Synagoge an. Daher könnten wir auch noch Bilder des besonderen G”ttesdienstes schnappen.

Die Stimmung in der großen Synagoge war ebenfalls fantastisch. Es gab etwa zwanzig Kinder unter Bar / Batmizwa-Alter, die beim Kiddusch dabei waren. Ein Kind fragte, ob wir das Freitagabendgebet sonst auch durchführen, wie süß. Ja, wir tun es jede Woche. Beim Essen gab es weiterhin eine wunderbare Stimmung. Und wenn wir betrachten, dass das an einem der spätesten Schabbatot des Jahres stattfand, na ja, dann lieben wir einfach den Schabbat und werden bestimmt auch alle an anderen Jahreszeiten sehr gerne zu einem Kabbalat Schabbat kommen.
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Toleranz leider ohne Respekt – zwei Artikel zur Brit Milá in der Jüdischen Allgemeine

July 5, 2012

DeutschSoeben hat die Jüdische Allgemeine Zeitung zwei von meinen Artikel, die diese Woche in der gedruckten Ausgabe der Zeitung erscheinen, auf ihre Webseite hinaufgeladen.


Die Beschneidung ist im Judentum unentbehrlich

June 27, 2012

DeutschVox20Das Landesgericht Köln ist in seinem Urteil (151 Ns 169/11) zu der Auffassung gelangt, dass eine nur religiös motivierte, nicht medizinisch indizierte Beschneidung als Körperverletzung im Sinne des deutschen Strafgesetzbuches anzusehen sei. Weder die Einwilligung der Eltern noch die Religionsfreiheit könnten diesen Eingriff rechtfertigen, stellte das Gericht in seiner Urteilsbegründung klar.

[NOTE TO ANGLOPHONES: For an automatically generated English translation, click here.]

Diese Entscheidung ist entsetzend. Es ist unbegreiflich, warum das Gericht einen Brauch zur Straftat erklärt, der von einem Viertel der Weltbevölkerung – also fast einen Milliarde Männer – seit Jahrtausenden praktiziert wird. Damit beschneidet das Urteil selbst die im Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit und das erzieherische Rechte der Eltern.

Könnte ein Grund dafür, warum dem Richter diese Einschränkung der Beschneidung nicht so erschütternd und gefährlich schien, ein Missverständnis sein, eine Fehleinschätzung über die Art, wie Identität und Religion einem jungen Menschen vermittelt werden? Denn mit einem Verbot der Beschneidung wird nicht etwa dem Kind die Wahl gelassen, später seine Religionszugehörigkeit zu wählen. Vielmehr wird jedem jüdischen und muslimischen Kind hier und heute verboten, mit der eigenen Religionspraxis aufzuwachsen. Hinzukommt, im Gegensatz zu dem jüdischen Brauch, die Beschneidung am achten Lebenstag zu vollziehen, ist es erheblich schwieriger und risikoreicher, diesen Akt in höherem Alter durchzuführen. Im Ergebnis könnte man zu dem Schluss kommen, das Gericht wolle mit seinem Urteil grundsätzlich verhindern, dass Hunderttausende junge Männer ihre religiöse Praxis ausüben.

Sind wir etwa im neunzehnten Jahrhundert gelandet, wo man die Religion versucht zu verdrängen, besonders die Minderheitreligionen?

G”tt sei dank leben wir in einem Land, in dem sich zumindest die Religionsgemeinschaften solidarisieren, wie aus den folgenden Pressemitteilungen eindrucksvoll ersichtlich wird. Den Partnern des interreligiösen Dialogs gilt an dieser Stelle besonderer Dank für ihre Unterstützung. Hoffen wir nun, dass der Gesetzgeber möglichste schnell die Religionsfreiheit mit einem Schutz der religiösen Beschneidung stärken wird.
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Joe the Plumber, Gun Control and the Lethal Oppression of the Masses

June 25, 2012

Englishdonkey-elephant-cc1So last week, “Joe the Plumber,” now an Ohio congressional candidate, was reported to have been running a campaign video in which he suggested that Nazi gun controls contributed to deaths during the Holocaust, and Jewish Democrats are not amused. (No, seriously, did anyone expect Democrats to be amused at Republican electoral progress, and vice versa? If Jewish Republicans would be angry, now THAT would be newsworthy).

While he subsequently wisely kind-of-apologized for, what should I call it, oversimplifying the Holocaust, he does raise the legitimate question of whether gun control may sometimes contribute to the oppression of the innocent and the propping up of despots and dictators. Read the rest of this entry »


Offene Brief an die Redaktion von “Die Zeit”

April 27, 2012

DeutschBefore_email_4_Air_letter_from_Saltpond,_Ghana_to_Kabala,_Sierra_Leone_(West_Africa)_January_1968_(3703187062)Es ist mir unklar, was aus journalistischer Sicht trauriger ist, aber der Artikel Andrea Jeskas (Rabbi-Ausbildung / Kein besseres Land für Juden) ist sowohl voreingenommen als auch reichlich mit Fehler versehen. Durch geschickte (oder eben ungeschickte) Wortwahl versucht die Autorin bei den Lesern einige Bilder entstehen zu lassen, in dem das Liberale Judentum deutlich überdurchschnittlich gut abschneidet, während alles Traditionsgetreues negativ geschildert wird. Und wenn die Fakten ihre Behauptungen nicht unterstützen, na ja, wozu braucht man überhaupt Fakten? Read the rest of this entry »


Interview in the CER Newsletter

April 2, 2012

EnglishCER logoThe Conference of European Rabbis included an interview with me in their most recent newsletter.

Choice quote:

“While attending a logistics class toward my MBA, the professor asked a simple question: when might it be more appropriate for a clothing company to have a single distribution centre for the entire USA, and when might it be more appropriate to have several distribution centres? The upshot is that to reach your customers, and in our case those are the Jews in our city, you can draw some of them to a central location, while others need to be sought out, you need to go where they are.

Here is the integral text: Read the rest of this entry »


Alle sind gleich vor dem Schabbat, dem hochmodernen Ruhetag

March 4, 2012

DeutschBossard,_Jenny_-_Familie_am_KaffeetischWir haben uns so daran gewöhnt, jede Woche einen freien Tag zu haben, dass wir uns kaum bewusst machen, wie fremd der Gedanke eines Ruhetags in vergangenen Zeiten war. In unserer Gesellschaft schätzen wir Ruhetage sehr: Wir haben eingeführt, dass es pro Woche nicht nur einen, sondern zwei gibt, und haben so das Wochenende geschaffen. Wir haben völlig vergessen, wie außergewöhnlich die Idee einer regelmäßigen Ruhe ist. Wir spüren kaum noch, wie jung das arbeitsfreie Wochenende ist.

Vor nicht so langer Zeit war schon ein Ruhetag pro Woche ein Luxus; an ein zweitägiges Wochenende war schon gar nicht zu denken. Bevor bezahlte Ferientage üblich wurden, konnten sich nur Reiche Ruhe und Freizeit leisten. Und bevor das Christentum die jüdische Idee des Schabbats1 verbreitete, war selbst ein wöchentlicher Ruhetag unvorstellbar … ausser bei einem kleinen, eigenartigen Volk … dem Volk Israel. Kurz nachdem sie das Land ihrer Knechtschaft verlassen hatte, stand ein Haufen befreiter Sklaven, die die Niederlage ihrer Herren miterlebt hatten, am Fusse des Berges Sinai und hörte:

Gedenke des Schabbat-Tages, ihn zu heiligen … Denn in sechs Tagen hat der Ewige den Himmel und die Erde, das Meer und alles, was darin ist, gemacht, und am siebten Tag hat Er geruht; darum hat der Ewige den Schabbat-Tag gesegnet und ihn geheiligt. (Das Buch Schemot, Kap. 20, Vers 8 und 11)

Ja, diese Leute waren unsere Vorfahren, das Volk Israel, das nur kurz zuvor aus Ägypten – dem Land seiner Leiden – ausgezogen war und nun die Offenbarung G”ttes am Berg Sinai miterlebte. Read the rest of this entry »


Thoughts on a Polarizing Society

January 10, 2012

EnglishConflict_(1936)_1It’s been several years now that I have been dismayed at the increasingly polarized din of political and societal “debates.” I put debates in quotes, because people are mostly talking past each other. This first hit me in the early 90s in Israel, when the climate in Western Europe was still more concilliatory. I have seen American politics become increasinly polarized and ascerbic, and see it in Europe, too, though to a lesser extent. In Europe, this is usually seen in matters relating to money (taxes, monetary policy, rescue of failing banks, national cost cutting plans, pensions), but less so in other, mostly social matters, while in the US, those are bones of polarizing contention, too.

So now I am reading Melanie Philips The World Upside Down (more about it in a future post), and I wonder whether the reason for this increased polarization is because we are growing increasingly philosophically distant from each other, to the point of not noticing we are takling past each other.

Think of secularist scientism vs. traditional theism as the possibly overarching disagreement, expressing itself in autonomy vs. dignity of life in bioethics; freedom from religion vs. freedom of religion in the educational realm; the definition of marriage and the family; the definition of science and of religion (think Kansas vs. Board of Education); even how to understand the big questions in the Middle East, including multilateralism and pacifism vs. military intervention, Israel & the Arabs, Afghanistan, Iraq, Iran.

I know this looks like quite some diverse topics to group together as one phenomenon, but reading Philips’ book, I must say she skillfully documents a common thread to all these, which provides the meat for describing the phenomenon of growing polarization between Right and Left. (However, linking her thesis to the manifest polarization in politics and society, and how that may be the result of being so entrenched in divergent philosophical views to the point of not identifying with the Other, well, I must take responsibility for those insights, unless she writes about that later in the book – I am only about a third of the way through).

I’ll be watching out to see which of those trends are most manifest in Germany, which issues are actually debated, or at least considered controversial, over here.


Do we Owe Respect to Old Bones?

January 9, 2012

EnglishHuman bone in forestSo there’s this this debate going on in England about a skeleton that was displayed apparantly against the explicit wish of its erstwhile live person (should we call it its “owner”?), Charles Byrne, and people are arguing whether to finally bury it, or whether so much time has passed (some 230 years) that it is no longer relevant. [Hat tip: Rabbi Ze’ev Smason] Read the rest of this entry »