Nicht alles, dass glänzt, ist Gold

August 1, 2008

DeutschPredigt vom 1. Tag Sukkót, 15. Tischréj 5768 (27 September ’07)

Nicht alles, dass glänzt, ist Gold

von Rabbiner Arie Folger

Die Torá befiehlt uns, an Sukkot פְּרִי עֵץ הָדָר (Perí ‘Etz hadár) zu nehmen.1 Was bedeutet פְּרִי עֵץ הָדָר, und was kann uns dieser Ausdruck über die Wirkung und den Zweck der Mizwá sagen? Ich möchte hinzufügen, dass wir eine Mizwá nie vollständig erklären können. Sie ist in ihrem Wesen ein g”ttlicher Befehl, und der Mensch kann sich ihrer Bedeutung zwar annähern, aber sie nie ganz erklären. Trotzdem sind unsere Fragen berechtigt: Was bedeutet פְּרִי עֵץ הָדָר, und was wird damit symbolisiert? Read the rest of this entry »


Weshalb hatte das Meer sich spalten müssen?

August 1, 2008

Der Zweck des Keri‘át Jam Ssuf1

War das Wunder von Keriát Jam Ssuf (der Spaltung des Schilf­meeres) nötig? Was war sein Zweck?

Auf den ersten Blick wirken diese Fragen seltsam. Archäologen haben Beweise dafür gefunden, dass die östliche Landgrenze Ägyptens, zur Halbinsel Sináj hin, schwer befestigt war und dass es alle paar Kilometer ägyptische Forts gab.2 Das Wunder war also ganz einfach nötig, um unsere Vorfahren aus Ägypten herauszubringen.

Aber haSchém, der allmächtige Gott, der allgewaltige eine und einzige Gott, hätte doch auch ein anderes Wunder machen können. Er hätte z.B. unsere Vorfahren auffordern können, stolz zwischen zwei Forts hindurchzuziehen und die Ägypter zu verhöhnen, und Er hätte den Ägyptern durch irgendetwas Angst einjagen oder sie sogar vernichten können. Um es etwas anders auszudrücken, lautet die Frage also: Wurde das Meer nur deshalb gespalten, weil das der einfachste Ausweg war, oder wurde dieses Wunder aus einem bestimmten Grund oder aus bestimmten Gründen gewählt? Und können wir im zweiten Fall einige dieser Gründe ermitteln? Read the rest of this entry »


Ein Lied mit Herz und Seele Singen

August 1, 2008

Das Lied mit Herz und Seele singen1

DeutschDa standen sie, ausser Atem, mit Freudentränen in den Augen. Endlich waren sie in Sicherheit. Sie hatten die unwahr­schein­lichste Rettung erlebt. Es war schon ein ganzes Jahr her, dass Moschè zu ihnen gekommen war. Damals war er noch ein Fremder, ein Bruder, der in ein weit entferntes Land geflohen war und sich dort niedergelassen hatte, ein in Ungnade gefallener Prinz. Er war mit einer unglaublichen Nachricht gekommen: Sie würden bald frei sein. Frei! Das hatte Gott ihm gesagt. Read the rest of this entry »


Choschèn Mischpát, das Geschenk der Juden

August 1, 2008

DeutschDieser Aufsatz erforscht die moralische Bedeutung des Konfliktes zwischen Halachá und dem zeitlich-weltlichen Zivilgesetz. Es wurde als Predigt zum Buch Schemót am 28. Tewét 5766 (28. Januar ’06) veroffentlicht.

Wahre Gewissensfreiheit

von Rabbiner Arie Folger

Die Halachá steht in finanziellen Angelegenheiten oft im Widerspruch zum Zivilgesetz und seiner Anwendung, z.B. bei der Zulässigkeit von Zinsen für Darlehen, bei der Zulässigkeit bestimmter Bussgelder, bei der Gültigkeit von Spekulationsgeschäften, bei der Definition unlauteren Wettbewerbs usw. Die Schweizer Verfassung ist klar: Die richterliche Gewalt liegt bei den Zivilgerichten, und sie müssen von den Anweisungen der Legislative ausgehen. Viele von uns fühlen uns bei dabei unwohl, dass die Halachá nicht mit der Schweizer Wirklichkeit übereinstimmt, und als Folge davon wird die Halachá entweder vergessen oder willentlich ignoriert.

Das Spannungsverhältnis zwischen der Halachá und dem westlichen Gesetz weckt Erinnerungen an Vorwürfe, wir Juden würden mit zweierlei Mass messen und seien gegenüber dem jeweiligen Land, in dem wir leben oder dessen Bürger wir sind, nicht loyal. Deshalb entscheiden sich viele dafür, unwissend zu bleiben statt die Halachá kennenzulernen, das jüdische Gesetz zu brechen statt es einzuhalten. Die Hauptfrage ist also, ob wir dem Gemeinwohl dienen, wenn wir den Massstab für Recht und Ethik übernehmen, den die uns umgebende Gesellschaft uns anbietet? Read the rest of this entry »


Die schöne Verpflichtung

August 1, 2008

DeutschPredigt des 1. Tag Sukkót, 15. Tischréj 5767 (7. Okt. 2006)

Die schöne Verpflichtung

von Rabbiner Arie Folger

Die Torá gebietet uns וּלְקַחְתֶּם לָכֶם בַּיּוֹם הָרִאשׁוֹן פְּרִי עֵץ הָדָר ‘und nehmt euch am ersten Tag Perí ‘Étz Hadár’ (Wajikrá 23:40). Was bedeutet Perí ‘Étz Hadár? Rabbi Awrahám Ibn ‘Esrá übersetzt einfach: ‘eine Frucht von einem prachtvollen Baum’. Der Etróg gilt als der schönste Baum und wird deshalb Perí ‘Étz Hadár genannt. Der Rambán (Nachmanides) meint, dass der Baum Citrus medica im biblischen Hebräisch als ‘Étz Hadár bezeichnet wird.

Ungeachtet dieser Kommentare hat man das Gefühl, dass sich ein Etróg durch mehr auszeichnet als nur durch bestimmte botanische Eigenschaften. Read the rest of this entry »


Sogar höher als die dem König gebührte Ehre

August 1, 2008

DeutschPredigt zu Paraschát Scheminí 5767, 26. Nissán 5767 (14. April 2007)
Diese Predigt bezieht sich auch auf Sukkót und der Art und Weise, wie wir uns benehmen im Bezug auf der Mizwá, die viert landwirtschaftliche Arten zu nehmen.

Dienet haSchém mit Freude

von Rabbiner Arie Folger

Die Ehre, die einem König gebührt, steht nicht zur Diskussion. Sogar der König selbst muss auf seine Ehre achten, wie uns Raw Aschí lehrt:

מלך שמחל על כבודו אין כבודו מחול שנאמר (דברים יז) שום תשים עליך מלך – שתהא אימתו עליך:

Wenn ein König auf seine Ehre verzichten will, ist seine Ehre nicht aufgehoben, denn es heisst: „du sollst einen König über dich setzen“ [Dewarim 17:15] – dass die Ehrfurcht vor ihm über dir sei. (Talmúd Bawlí Sotá 41b)1

In der Tat wies der Prophet Schemúel einmal König Schaúl dafür zurecht, dass er sich nicht so verhalten hatte, wie es sich einem König ziemt:

וַיֹּאמֶר שְׁמוּאֵל הֲלֹוא אִם־קָטֹן אַתָּה בְּעֵינֶיךָ רֹאשׁ שִׁבְטֵי יִשְׂרָאֵל אָתָּה וַיִּמְשָׁחֲךָ ה’ לְמֶלֶךְ עַל־יִשְׂרָאֵל׃

Und Schemúel sagte: Obwohl du klein in deinen Augen bist, bist du denn nicht das Oberhaupt der Stämme Israels? Und haSchém hat dich zum König über Israel gesalbt! (Schemúel I 15:17)2

Kann und soll es eine Ausnahme von dieser Regel geben? Kann es etwas geben, das höher steht als die Ehre, die ein König sich selbst schuldig ist? Read the rest of this entry »