Kleine und grosse “Tzores”

August 1, 2008

DeutschAls Moschè Rabbénu während der Offenbarung am brennenden Busch Gott nach Seinem Namen fragte, antwortete Er ihm mit einem Namen, der erklärt wird als ‘Ich werde in diesem Exil – in Ägypten – mit dem Volk sein und Ich werde in zukünftigen Zeiten des Exils mit ihm sein’ (s. Schemót 3:13-14 mit Raschi). So wurde das Exil in Ägypten zum Modell für alle späteren Zores (Plural von jiddisch zore ‘Leid, Not, Schwierigkeit, Sorge’, zu hebräisch zará) des Volkes Israel. Read the rest of this entry »


Von Kindern lernen

August 1, 2008

DeutschIch möchte Ihnen Daniel Cohen vorstellen, einen typischen Dreitagejuden. Er ist das jüdische Gegenstück von „Otto Normal­verbraucher“. Er ist ein gewöhnlicher, sympathischer Mensch, der das Gefühl hat, eine starke jüdische Identität zu besitzen, auch wenn er die meiste Zeit des Jahres der Synagoge fernbleibt und zu Hause auch nicht allzu viele jüdische Traditionen praktiziert. Kurzum, Daniel Cohen ist so wie die meisten von uns. Daniel Cohen passt genau hierher. Read the rest of this entry »


Würdiger Gruss

August 1, 2008

Deutsch

ה’ בְּמִשְׁפָּט יָבוֹא עִם־זִקְנֵי עַמּוֹ וְשָׂרָיו וְאַתֶּם בִּעַרְתֶּם הַכֶּרֶם גְּזֵלַת הֶעָנִי בְּבָתֵּיכֶם:

HaSchèm [Gott als der Barmherzige] geht ins Gericht mit den Ältesten Seines Volkes und dessen Fürsten, und ihr habt den Weinberg abgeweidet, der Raub vom Armen ist in euren Häusern. (Jescha‘jáhu 3:14)

Der Prophet klagt uns an … Wir haben nicht nur die Schwachen und Machtlosen im Stich gelassen, wir haben nicht nur den metaphorischen Weinberg unbewacht gelassen, wir haben ihn zerstört (וְאַתֶּם בִּעַרְתֶּם הַכֶּרֶם), und der gestohlene Besitz der Armen befindet sich in unseren Häusern. Was ist das für ein gestohlener Besitz des armen Mannes, von dem der Prophet Jescha‘jáhu spricht? Was könnte denn der Reiche von den Dingen, die dem Armen gehören, gestohlen haben? Würde irgendjemand sich die Mühe machen, die Lumpen des Armen, seine dreckige, zerrissene Kleidung zu stehlen? Sein Bettzeug und das quietschende Bett, wenn er überhaupt eines hat? Um welchen Besitz könnte man den Armen denn beneiden? Read the rest of this entry »


Die richtigen Ambitionen

August 1, 2008

DeutschDies ist die Geschichte von jemandem, mit dem ich gemeinsam die Jeschiwá besuchen durfte, Avraham David Weiss. Jahrelang hatte ich keinen Kontakt mehr mit ihm, weil wir unsere Studien an verschiedenen Institutionen fortsetzten. So wusste ich nicht, dass er geheiratet und sich in Upstate New York niedergelassen hatte; ich wusste nichts von seinen Kindern und seinem Beruf. Vor etwa zwei Jahren erfuhr ich aber, dass Avraham David Weiss an einer derzeit nicht heilbaren Krankheit leidet, der amyotrophen Lateralsklerose (ALS), die auch als Lou-Gehrig-Syndrom bekannt ist. Read the rest of this entry »


Gute und böse Augen

August 1, 2008

DeutschEin sehr reicher Mann hatte zwei Söhne, die in einem weit entfernten Teil des Landes wohnten. Der eine war reich wie sein Vater, der andere war leider arm. Als ihre Schwester heiraten sollte, schickte der Vater dem reichen Sohn folgende Einladung mit der Bitte, seinen weniger erfolgreichen Bruder zu informieren: „Du und dein Bruder und eure Familien werden bei der Hochzeit erwartet. Ich werde euch beiden gerne alle Ausgaben erstatten, die ihr tätigt, um mich zu ehren.“ Der reiche Sohn war begeistert. Er und seine Frau fingen sofort mit den Vorbereitungen an, wählten für sich die vorzüglichsten Kleider aus und für ihre Kinder die aufwendigsten Kostüme. „Warum sollte ich sparen“, dachte er, „wenn mir mein Vater alles bezahlt?“ Sie mieteten eine Kutsche, die sie zur Hochzeit der Schwester bringen sollte, und es war ein unvergesslicher Anblick, wie die Familie zu dem grossen Fest aufbrach. Read the rest of this entry »


Mahlzeiten für den Geist

August 1, 2008

Wir nähern uns der Zeit des Jahres, in der es die meisten Feiertage gibt. Kurz nacheinander gehen wir in uns, begrüssen Gott respektvoll als König über alle, erwecken in uns in Ehrfurcht und Demut vor Ihm, wohnen draussen in der Sukká und freuen uns, bis wir schliesslich mit der Torá tanzen, um unsere Verbindung mit ihr auszudrücken. Die Basis all dieser Erfahrungen ist die Gottesfurcht. Wie aber kann es uns gelingen, mehr Ehrfurcht vor Gott zu entwickeln? Read the rest of this entry »


Zurück zur Ehrfurcht

August 1, 2008

Erinnern Sie sich an das erste Mal, als Ihnen bewusst wurde, wie majestätisch unsere Basler Synagoge ist? Vielleicht waren Sie ein Kind oder, wie ich, schon ein Erwachsener, als sie diese massiven Mauern gesehen haben, die schon seit fast 140 Jahren jüdische Gebete aufnehmen. Waren unsere Gebete damals nicht anders? Erinnern Sie sich daran, wie Sie als Kind zum ersten Mal die enorme Bedeutung des Gebets verstanden haben? Wie Ihnen klar wurde, dass Sie als ein einfacher Mensch, dem man noch keine Autoschlüssel und vielleicht nicht einmal Hausschlüssel anvertraut, mit dem Herrn der Welt sprechen und gehört werden können? Read the rest of this entry »


Der wandernde Jude

August 1, 2008

Jährlich tun viele von uns ein paar Wochen lang das, womit unsere Vorväter so viel Erfahrung hatten: umherwandern. Aber im Unterschied zu unseren Vorvätern tun wir das nicht deshalb, weil wir ins Exil gezwungen werden, sondern weil wir es wollen. Die Gesellschaft, in der wir leben, hat sogar ein Wort gefunden, das unsere jährliche Pilgerreise und unser selbst auferlegtes Exil beschreibt: Urlaub. Read the rest of this entry »


Die erhebende heilige Familie

August 1, 2008

flag-ch_de-tinyDie Torá berichtet, dass G”tt Moschè befiehl:

שְׂא֗וּ אֶת־רֹאשׁ֙ כָּל־עֲדַ֣ת בְּנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֔ל לְמִשְׁפְּחֹתָ֖ם לְבֵ֣ית אֲבֹתָ֑ם בְּמִסְפַּ֣ר שֵׁמֹ֔ות כָּל־זָכָ֖ר לְגֻלְגְּלֹתָֽם׃

Nehmet auf die Summe der ganzen Gemeinde der Kinder Israel nach ihren Geschlechtern, nach ihren Vaterhäusern, nach der Zahl der Namen, alle Männlichen nach ihren Köpfen;

Der Zweck dieser Volkszählung war einerseits militärisch – um zu wissen, vor der Einreise in Kaná’an, wieviele Leute zum Militärdienst aufgerufen werden können – und um das Volk an den öffentlichen Opfer, die mit dem für die Völkerzählung verwendeten halbe Schekalím, zu beteiligen.

Bei der Berichterstattung des g”ttlichen Befehls fallen aber zwei Sprachwendungen auf. Erstens, heisst es nicht סְפֹר (Wie in Berejschít 15:5), dass jedoch zu מִסְפַּר… לְגֻלְגְּלֹתָם passt, sondern שְׂאוּ, was eher “erhebe” bedeutet. Zweitens, wird die Bevölkerung “nach ihren Geschlechtern, nach ihren Vaterhäusern” gezählt, weshalb? Schliesslich ist die Dienstfähigkeit keine Familienangelegenheit, sondern eine Funktion des physischen Körpers!

Rabbi Chajím ben ‘Atár, der Or haChajím, zitiert ein Midrásch, dass die Völker der Welt die Erwählung Israels bestreiteten. G”tt aber begründete sein Entscheid auch damit, dass unser Volk besonders auf die Treue und Heiligkeit in der Familie und in der Ehe achtet. Damit bestätigen wir nun mehr die Zentralität der Familie, der Ehe und ihre Reinheit und Heiligkeit in unserer Tradition. Was aber hat das mit der Bevölkerungszählung zu tun?

Diese zweite Frage beantwortet Kelí Jakár, als er sich mit der besondere Sprachwendung שְׂאוּ auseinandersetzt. Er bemerkt, dass שְׂאוּ immer “erhebe” heisst, auch wenn es gleichzeitig “zählt” bedeutet. In anderen Worten befiehlt G”tt dem Moschè, er soll das Volk so zählen damit es erhebt wird. Aus der Erläuterung des Or haChajím ergibt sich, dass genau diese Erhebung der jüdischen heilige Familie zuliebe kommt.

Uns ist klar, die Familie ist ein Tempelberg, den wir nicht entweihen, sondern auf welchem wir die Heiligkeit bauen. Wahrhaftig, wir haben die Möglichkeit מַמְלֶכֶת כֹּהֲנִים וְגֹוי קָדֹושׁ – eine Priesternation und ein heiliges Volk zu sein.

Predigt von Schabbát Bamidbár 5768,
26. Ijár 5768 (31. Mai ’08)
von Rabbiner Arie Folger


Das letzte Gebot

August 1, 2008

DeutschWenn wir irgendeine beliebige Gruppe von Juden fragen würden, was die schwierigste Mizwá in den Zehn Worten ist, würden viele sagen: die Pflicht, den Schabbat zu halten. Wenn wir fragen würden, welche Mizwá in den Zehn Worten eine ideale Gesellschaft gemäss der Torá am stärksten von unserer heutigen westlichen Welt unterscheidet, würden viele wiederum den Schabbat nennen.

Dem kann man jedoch widersprechen. Read the rest of this entry »